Mashatu - eine Perle im Tuli Block
Mashatu liegt im Süden Botswanas und grenzt im Süden an Südafrika und im Osten an Simbabwe. Schon im Jahr 2001 hatten mein Bruder und ich geplant, nach Mashatu zu fahren. Doch nachdem die Attentate vom 11. September die Welt veränderten, entschieden wir uns dafür, erstmal zu Hause zu bleiben. Wie nachhaltig dieser Entschluss werden sollte, konnten wir da noch nicht ahnen, aber die nächste Flugreise ins südliche Afrika folgte erst 13 Jahre später. Ausgiebig habe ich seitdem in unterschiedlicher Besetzung Südafrika, aber auch Botswana und Simbabwe bereist, aber zu einem Besuch in Mashatu ist es erst 2024 gekommen. Nicht, dass meine Frau und ich nicht schon vorher dorthin gewollt hätten, aber mit Kindern war es nicht finanzierbar. Nun aber, nachdem zwei von dreien ihr eigenes Geld verdienen und auch nicht immer mitkönnen und wollen, ergab sich 2024 und 2026 die Möglichkeit, für insgesamt elf Nächte ins “Land of the Giants” zu fahren.
Mit den Giganten sind Elefanten, Baobab Trees und die großen Felsformationen gemeint. Und ein wenig auch die vielen Leoparden, die man dort findet. Vor ca. 20 Jahren wurden die Zäune, die Mashatu bis dahin umgeben hatten, entfernt, so dass Tierwanderungen wieder möglich wurden und das war auch dringend nötig. Die vielen Elefanten - damals warb Mashatu mit der größten Elefantenherde auf Privatgeände - hatten die Vegetation in weiten Teilen vernichtet, da diese nie Zeit bekam, sich zu erholen. Heute ist das anders, auch wenn man in einigen Teilen des Reserves noch immer die Folgen von damals erkennen kann. Die Elefantendichte ist zwar geringer als früher, aber die Durchmischung des Genpools und die erholte Vegetation sind sicher höher einzuschätzen.
Wir hatten die Gelegenheit, die Gegend sowohl in der Hochphase der Trockenzeit im September 2024, als auch in der grünen Shoulder Season im Mai 2026 kennenzulernen. Abgesehen von dem grundlegend unterschiedlichen Eindruck, den die Landschaft hinterlässt, sind auch die Sichtungen anders. Wie überall, wenn das Buschwerk lichter wird, sind insbesondere die Raubtiere leichter zu entdecken. Allerdings ermöglicht die dichte Vegetation es insbesondere den Leoparden, sich unbemerkt an ihre Beute heranzuschleichen und einen Jagdversuch zu starten. Was wir live miterleben konnten. Eines der Highlights, für die Mashatu berühmt ist, ist die Underground Hide direkt an einem künstlich angelegten Wasserloch. Letztlich wurde ein Überseecontainer im Boden versenkt und dann für Fotografen ausgebaut. Die breiten Klappen zum Wasser lassen sich öffnen und es gibt keine trennende Scheibe. Auf Barhockern sitzt man vor an einer Art Theke, auf der sich rotierende Platten finden, auf die man Sandsäcke legen kann. Sehr komfortabel. Es finden bestimmt acht Fotografen Platz, aber wie immer ist es angenehmer, wenn man nur zu viert ist. Je weniger, desto besser. Bei unserem Besuch in der Trockenzeit hatten wir zwei Vormittage in der Hide gebucht und waren begeistert. Löwen auf Augenhöhe, Elefanten, Kudus, Impalas, Elenantilopen, Warzenschweine, Zebras und vieles mehr zeigte sich ohne Scheu in unmittelbarer Nähe vis à vis. Bei unserem zweiten Besuch erschien ein Elefeantenbulle. Das war’s. Irgendwie hatten wir nicht auf dem Schirm, dass die Tiere ja überall Wasser finden konnten und somit nicht vor der Hide erscheinen mussten.
Um nach Mashatu zu gelangen, fliegt man am besten nach Johannesburg und fährt von dort aus mit einer Übernachtung auf halber Strecke zur südafrikanischen Nordgrenze. Wir haben zum Übernachten das Aloe Tree Guest House in Mokopane gewählt. Nach dem schlechten Schlaf im Flieger sind die 250 km soeben gut zu schaffen und man kann erstmal richtig ankommen. Außerdem wird man um 13:00 Uhr von den Mashatu-Mtarbeitern am Pont Drift Borderpost abgeholt und die Ankunft der meisten Fluglinien in Johannesburg macht es unmöglich, rechtzeitig an der Grenze zu sein. Nach einem eigenwilligen Frühstück der ansonsten sehr freundlichen und bemühten Gastgeberin - sie gab von sich aus zu, dass ihr Porridge wie Moltofill schmeckte - fuhren wir gegen 08:30 Uhr los und erreichten mit einer Tankunterbrechung den Grenzübergang gegen 12:15 Uhr. Und nun das Wichtigste: damit man seinen Mietwagen im Niemandsland zwischen Südafrika und Botswana parken darf, benötigt man eine Kopie der Registrierungspapiere. Wenn man die nicht hat, kann man direkt wieder fahren. Klingt hart, aber ist so. Die Papiere bekommt man mit etwas Nachdruck zumindest bei Avis problemlos. Am besten, man leitet die Info-Mail aus Mashatu an das Mietwagenunternehmen weiter, damit die wissen, was benötigt wird. Anrufen kann auch nicht schaden. Ein Permit für den Grenzübertritt ist nicht notwendig.
Unser Fahrer war immer pünktlich und beim ersten Mal fuhren wir durch das trockene Flussbett des Limpopo. Beim zweiten Besuch war es uns endlich vergönnt, mit der offenen Seilbahn über die braunen Fluten des Grenzflusses transportiert zu werden. Spannend, aber wir fühlten uns sicher. Kein Hauch von Indiana Jones.
Die Fahrt in das von uns gewählte Tent Camp dauerte etwa 50 Minuten. Schon auf dem Weg sahen wir viel mehr Tiere, als beim ersten Mal. Wir wurden herzlich empfangen und als Wiederholungstäter fanden wir in unserem Zelt sogar eine Flasche Rotwein und einen kleinen Willkommensbrief. Und dann ging es richtig los. Erster Game Drive nach dem obligatorsichen High Tea , Start gegen 15:30 Uhr. Nach Absprache mit unseren Mitfahrern bekam ich den Platz neben dem Fahrer, der sich für jeden Fotografen anbietet, der eine möglichst tiefe Perspektive und mehr Ablagefläche für große Objektive haben möchte. Unseren Fahrer Dan und seinen Trecker Tau kannten wir schon von unserem ersten Besuch und freuten uns sehr, die beiden wiederzusehen. Nette, differenzierte Menschen, die in der Gegend aufgewachsen sind und ausgezeichnet zusammenarbeiten.
Manche Safari-Tage sind sehr ruhig und andere fast unwirklich. Und so einer war unser erster. Drei verschiedene Großkatzen in nur zwei Stunden - eine Gepardin mit vier Jungen, eine Leopardin mit einem Jungen und einem Männchen, das in der Nähe war, um Ärger abzuwenden und sich durchfüttern zu lassen. Und eine alte Löwin, die den Leos die Beute abnahm. Es sollten auch ruhigere Tage kommen, aber es gab in der Tat keinen einzigen, an dem wir nichts gesehen haben. Eine Befürchtung, die ich immer habe und die sich durchaus auch schon einmal bewahrheitet hat, war bei dieser Tour zum Glück unbegründet. Sie betrifft die Anzahl und Gesinnung der Mitfahrer auf dem Safarifahrzeug. Man muss vorwegschicken, dass meine Frau und ich für gewöhnlich selber fahren und somit auch entscheiden können, wie lange wir an einem Sighting verweilen und wo und insbesondere wie weit weg wir uns platzieren. In Mashatu werden die Fahrzeuge nicht überladen. Eigentlich waren wir meistens zu viert, zwei Tage lang zu sechst und niemals mehr. Was die Distanz zu den Sightings angeht, so achtete Dan sehr genau darauf, dass alle zu ihrem Recht kamen, also von 600mm bis Handy. An dieser Stelle einen herzlichen Gruß an Marietta und Helmut nach Lichtenstein, Ihr wart die besten Mitfahrer, die wir uns wünschen konnten!
Je nach gestecktem Ziel konnte die Anfahrt bis zu einem Sighting durchaus weit sein und lange dauern. Ein verendeter Elefant zog über die ganzen acht Tage unseres Aufenthaltes die unterschiedlichsten Tiere an und bot, wenn man mal nichts anderes fand, immer die Gelegenheit für interessante Beobachtungen und zum Teil auch wirklich reizvolle Motive. Aber letztlich ist es in Mashatu auch so, wie in allen anderen Wildlife-Gebieten Afrikas, die ich bislang besucht habe: erst kommt der Leopard und dann alles andere. Und Leoparden gab es wirklich einige zu sehen.
Zum Glück aber war unser Team aus Guide und Tracker anders gestrickt, als viele andere, die wir bisher kennengelernt hatten. Klar, auf Leoparden legten sie auch großen Wert. Wir auch. Aber man hatte auch an allen anderen SIghtings die Zeit, die man benötigte, entweder um zu fotografieren oder nur zu beobachten. Alle durften sagen, was sie gerne sehen würden und Dan und Tau versuchten, es möglich zu machen. Wenn die beiden sagten, dass eine gute Chance besteht, ein Lepardenmönnchen zu finden, dann hat es auch geklappt. Wenn jemand noch keine Hyänen gesehen hatte, dann konnte man fast sicher sein, dass sich das änderte. Aber wenn die Wünsche sehr exotisch wurden - zum Beispiel Erdferkel oder Honigdachs - dann taten die beiden nicht so, als wäre das alles kein Problem. Was uns sehr gut gefiel, war die Regelung, dass nur drei Autos an einem SIghting stehen durften. Sobald das vierte auftauchte, musste das erste wieder fahren. Irgendwie haben die Guides es geschafft, die Sichtungen so gekonnt auf die Autos zu verteilen, dass wir nicht einmal weiterfahren mussten.
Im Tent Camp, das für uns die perfekte Mischung aus Ursprünglichkeit und Luxus bot, liefen die Tage immer gleich ab. Wer schon mal auf Safari war, wird wissen, was ich meine. Aufstehen um fünf Uhr morgens, Minifrühstück einnehmen - wenn man so früh schon etwas essen kannn - Abfahrt noch im Dunkeln gegen sechs und je nach Sichtung etwa gegen 09:30 Uhr ein Coffee Brake. Dann zurück ins Camp zum eigentlichen Frühstück. Danach Mittag bis zum High Tea gegen 15:00 Uhr. Danach Afternoon DrIve, Sundowner - eigentlich immer Gin Tonic - und Rückkehr ins Camp gegen 19:30 Uhr, wenn es bereits dunkel war. Dann Dinner und danach ab ins Zelt. Und obwohl man meinen könnte, der immer gleiche Ablauf würde irgendwann langweilig, ist das mit Nichten so. Kaum ist man im Camp, möchte man schon wieder rausfahren und noch mehr sehen oder wieder nach etwas Neuem suchen, die Landschaft und die Luft geniessen oder versuchen, die Stimmen und Geräusche des afrikanischen Busches zu verstehen.
Ein Gund dafür, dass wir lieber in Safarizelten, als in festen Häusern übernachten, ist die nächtliche Geräuschkulisse. Im klimatisierten Häuschen höre ich nicht, wenn die Schakale und Hyänen nachts kommunizieren oder der Leopard seine Anwesenheit im Revier kundtut. Ganz zu schweigen von den Rufen der Vögel. Was Mashatu, aber auch das angrenzende Mapungubwe auf südafrikanischer Seite besonders auszeichnet, ist die abwechslungsreiche Landschaft. Man fährt ebenso durch felsige Regionen, wie durch Flussbetten, durch offene Savanne, aber auch Galeriewälder. Nur Sumpf gibt es nicht.
Wenn man schon häufiger im südlichen Afrika unterwegs war, verschieben sich die Prioritäten ein wenig. Insbesondere für mich als Naturfotografen. Man versucht, nicht mehr alles zu fotografieren und sucht nach dem besonderen Moment, dem besonderen Licht, der besonderen Action. Ich habe allerdings festgestellt, dass dieser Weg für mich nicht gut funktioniert. Der Appetit kommt beim Essen, was soviel heißen soll, daß ich während des Fotografierens mehr und mehr Lust darauf bekomme und wacher werde. Von null auf hundert kann ich nicht.
Zum anderen kommt das besondere Bild erst zu mir, wenn ich nicht mehr danach suche. Was einen in der Vergangenheit fotografisch zufrieden gemacht hat, ist schon lange nicht mehr genug und damit man auch nach dem x-ten Safari-Urlaub noch zufrieden mit den eigenen Bildern ist, muss man den Moment erkennen, in dem sich etwas besonderes anbahnt oder die Szenerie, die für das besondere Bild taugt, lange genug beobachten, immer wieder aufsuchen. Sicher gibt es Tiere, von denen ich nicht genug bekommen kann, auch wenn keine außergewöhnlichen Bilder entstehen. Aber um stimmungsvolle Aufnahmen zu kreieren, brauche ich nicht unbedingt einen Löwen oder Leoparden, oder abendliches Gegenlicht und die millionenste Scherenschnittaufnahme einer Giraffe. Ich muss mir darüber klar werden, was für mich die afrikanische Wildnis so besonders macht und versuchen, dieses Gefühl im Bild umzusetzen. Das muss nicht unbedingt eine lichtdurchflutete Gegenlichtszenerie in der Kalahari sein. Auch der Moment, in dem Schakal und Geier versuchen, sich gegenseitig von einem Kadaver fernzuhalten, oder das Porträt einer Hyäne, das den, vorsichtig ausgedrückt, intensiven Geruch des Tieres einfängt, nachdem es eine Nacht in einem Elefantenkadaver verbracht hat, sind für mich eher reiz- und stimmungsvoll. Es geht um den richtigen Moment. Nicht nur für die gelungene Actionaufnahme, sondern auch für den Gesichtausdruck eines Tieres, das Licht, das durch die Bäume auf einen Pfad fällt oder das richtige Verhältnis von Hauptmotiv und Lebensraum, das den Moment für den Betrachter erlebbar macht.
Niemals sollte man versuchen, für jemand anderen zu fotogafieren. Nur weil eine bestimmte Art zu fotografieren en vogue ist, sollte man noch lange nicht versuchen, seine Art zu fotografieren diesem Trend anzupassen. Das soll nicht bedeuten, dass man nicht experimentieren darf. Muss man sogar, sonst wird es öde. Aber die Qualität der eigenen Aufnahmen steigt nicht automatisch, nur weil ich den Lebensraum meines tierischen Motivs zur Hauptsache erkläre oder permanent versuche, aussagefreie Motive mit ICM aufzuhübschen. Nicht, dass mit solchen Herangehensweisen und Techniken nicht wunderbare Bilder entstehen können, aber es muss vor allem einem selbst gefallen und die Arbeit am Erstellen des Fotos muss einen befriedigen, sonst entsteht nichts brauchbares.
Nach acht Nächten mussten wir das Tent Camp wieder verlassen und Dan fuhr uns zurück nach Pont Drift zu unserem Auto. Sogar für einen Funktions-Check blieb er noch, nur um sicher zu stellen, dass die Affen oder Ratten nicht die Kabel zerstört hatten. Wir verabschiedeten uns und traten die Fahrt zu unserer letzten Unterkunft an. Wir hatten das Cuckoo´s Nest in Louis Trichard gewählt und es war eine gute Entscheidung. Traumhafte Lage, nette Gastgeber, gutes Essen. Auch wenn der Weg nach Johannesburg mit knapp 400 km recht weit war, ließ es sich problemlos fahren und wir hatten noch viel Zeit, bis abends um 18:00 Uhr der Flieger ging. Übrigens sind wir zum ersten Mal mit Turkish Airlines geflogen und können die Airline nur empfehlen. Nur der Moloch von Istanbuler Flughafen ist zum abgewöhnen. Gibt es eigentlich irdendjemanden, der 7 € für einen Espresso bezahlt? Nun gut. Aber es ist schon- nett ausgedrückt -geschäftstüchtig, wenn man Sitzmöglichkeiten nur dort anbietet, wo man etwas verzehren muss.
Technische Überlegungen zur Fotografie spare ich mir diesmal, obwohl ich in letzter Zeit schon einigen Humbug von selbsternannten Wildlife Photography - Experts gelesen und gehört habe, den man eigentlich mal richtig stellen müsste. Aber dazu werde ich wohl demnächst mal etwas schreiben müssen.
Bis zum nächsten Blog, der von ingesamt vier Besuchen im Kgalagadi Transfrontier Park handeln wird. Oder von Buntspechten. Oder Wasseramseln. Ich verbleibe in der Hoffnung, dass Ihr meinen Bericht gerne gelesen habt. Bis dahin…