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Peter Lindel Peter Lindel

Mashatu - eine Perle im Tuli Block

Mashatu liegt im Süden Botswanas und grenzt im Süden an Südafrika und im Osten an Simbabwe. Schon im Jahr 2001 hatten mein Bruder und ich geplant, nach Mashatu zu fahren. Doch nachdem die Attentate vom 11. September die Welt veränderten, entschieden wir uns dafür, erstmal zu Hause zu bleiben. Wie nachhaltig dieser Entschluss werden sollte, konnten wir da noch nicht ahnen, aber die nächste Flugreise ins südliche Afrika folgte erst 13 Jahre später. Ausgiebig habe ich seitdem in unterschiedlicher Besetzung Südafrika, aber auch Botswana und Simbabwe bereist, aber zu einem Besuch in Mashatu ist es erst 2024 gekommen. Nicht, dass meine Frau und ich nicht schon vorher dorthin gewollt hätten, aber mit Kindern war es nicht finanzierbar. Nun aber, nachdem zwei von dreien ihr eigenes Geld verdienen und auch nicht immer mitkönnen und wollen, ergab sch 2024 und 2026 die Möglichkeit, für insgesamt elf Nächte ins “Land of the Giants” zu fahren.

Mashatu liegt im Süden Botswanas und grenzt im Süden an Südafrika und im Osten an Simbabwe. Schon im Jahr 2001 hatten mein Bruder und ich geplant, nach Mashatu zu fahren. Doch nachdem die Attentate vom 11. September die Welt veränderten, entschieden wir uns dafür, erstmal zu Hause zu bleiben. Wie nachhaltig dieser Entschluss werden sollte, konnten wir da noch nicht ahnen, aber die nächste Flugreise ins südliche Afrika folgte erst 13 Jahre später. Ausgiebig habe ich seitdem in unterschiedlicher Besetzung Südafrika, aber auch Botswana und Simbabwe bereist, aber zu einem Besuch in Mashatu ist es erst 2024 gekommen. Nicht, dass meine Frau und ich nicht schon vorher dorthin gewollt hätten, aber mit Kindern war es nicht finanzierbar. Nun aber, nachdem zwei von dreien ihr eigenes Geld verdienen und auch nicht immer mitkönnen und wollen, ergab sich 2024 und 2026 die Möglichkeit, für insgesamt elf Nächte ins “Land of the Giants” zu fahren.

Mit den Giganten sind Elefanten, Baobab Trees und die großen Felsformationen gemeint. Und ein wenig auch die vielen Leoparden, die man dort findet. Vor ca. 20 Jahren wurden die Zäune, die Mashatu bis dahin umgeben hatten, entfernt, so dass Tierwanderungen wieder möglich wurden und das war auch dringend nötig. Die vielen Elefanten - damals warb Mashatu mit der größten Elefantenherde auf Privatgeände - hatten die Vegetation in weiten Teilen vernichtet, da diese nie Zeit bekam, sich zu erholen. Heute ist das anders, auch wenn man in einigen Teilen des Reserves noch immer die Folgen von damals erkennen kann. Die Elefantendichte ist zwar geringer als früher, aber die Durchmischung des Genpools und die erholte Vegetation sind sicher höher einzuschätzen.

Wir hatten die Gelegenheit, die Gegend sowohl in der Hochphase der Trockenzeit im September 2024, als auch in der grünen Shoulder Season im Mai 2026 kennenzulernen. Abgesehen von dem grundlegend unterschiedlichen Eindruck, den die Landschaft hinterlässt, sind auch die Sichtungen anders. Wie überall, wenn das Buschwerk lichter wird, sind insbesondere die Raubtiere leichter zu entdecken. Allerdings ermöglicht die dichte Vegetation es insbesondere den Leoparden, sich unbemerkt an ihre Beute heranzuschleichen und einen Jagdversuch zu starten. Was wir live miterleben konnten. Eines der Highlights, für die Mashatu berühmt ist, ist die Underground Hide direkt an einem künstlich angelegten Wasserloch. Letztlich wurde ein Überseecontainer im Boden versenkt und dann für Fotografen ausgebaut. Die breiten Klappen zum Wasser lassen sich öffnen und es gibt keine trennende Scheibe. Auf Barhockern sitzt man vor an einer Art Theke, auf der sich rotierende Platten finden, auf die man Sandsäcke legen kann. Sehr komfortabel. Es finden bestimmt acht Fotografen Platz, aber wie immer ist es angenehmer, wenn man nur zu viert ist. Je weniger, desto besser. Bei unserem Besuch in der Trockenzeit hatten wir zwei Vormittage in der Hide gebucht und waren begeistert. Löwen auf Augenhöhe, Elefanten, Kudus, Impalas, Elenantilopen, Warzenschweine, Zebras und vieles mehr zeigte sich ohne Scheu in unmittelbarer Nähe vis à vis. Bei unserem zweiten Besuch erschien ein Elefeantenbulle. Das war’s. Irgendwie hatten wir nicht auf dem Schirm, dass die Tiere ja überall Wasser finden konnten und somit nicht vor der Hide erscheinen mussten.

Um nach Mashatu zu gelangen, fliegt man am besten nach Johannesburg und fährt von dort aus mit einer Übernachtung auf halber Strecke zur südafrikanischen Nordgrenze. Wir haben zum Übernachten das Aloe Tree Guest House in Mokopane gewählt. Nach dem schlechten Schlaf im Flieger sind die 250 km soeben gut zu schaffen und man kann erstmal richtig ankommen. Außerdem wird man um 13:00 Uhr von den Mashatu-Mtarbeitern am Pont Drift Borderpost abgeholt und die Ankunft der meisten Fluglinien in Johannesburg macht es unmöglich, rechtzeitig an der Grenze zu sein. Nach einem eigenwilligen Frühstück der ansonsten sehr freundlichen und bemühten Gastgeberin - sie gab von sich aus zu, dass ihr Porridge wie Moltofill schmeckte - fuhren wir gegen 08:30 Uhr los und erreichten mit einer Tankunterbrechung den Grenzübergang gegen 12:15 Uhr. Und nun das Wichtigste: damit man seinen Mietwagen im Niemandsland zwischen Südafrika und Botswana parken darf, benötigt man eine Kopie der Registrierungspapiere. Wenn man die nicht hat, kann man direkt wieder fahren. Klingt hart, aber ist so. Die Papiere bekommt man mit etwas Nachdruck zumindest bei Avis problemlos. Am besten, man leitet die Info-Mail aus Mashatu an das Mietwagenunternehmen weiter, damit die wissen, was benötigt wird. Anrufen kann auch nicht schaden. Ein Permit für den Grenzübertritt ist nicht notwendig.

Unser Fahrer war immer pünktlich und beim ersten Mal fuhren wir durch das trockene Flussbett des Limpopo. Beim zweiten Besuch war es uns endlich vergönnt, mit der offenen Seilbahn über die braunen Fluten des Grenzflusses transportiert zu werden. Spannend, aber wir fühlten uns sicher. Kein Hauch von Indiana Jones.

Die Fahrt in das von uns gewählte Tent Camp dauerte etwa 50 Minuten. Schon auf dem Weg sahen wir viel mehr Tiere, als beim ersten Mal. Wir wurden herzlich empfangen und als Wiederholungstäter fanden wir in unserem Zelt sogar eine Flasche Rotwein und einen kleinen Willkommensbrief. Und dann ging es richtig los. Erster Game Drive nach dem obligatorsichen High Tea , Start gegen 15:30 Uhr. Nach Absprache mit unseren Mitfahrern bekam ich den Platz neben dem Fahrer, der sich für jeden Fotografen anbietet, der eine möglichst tiefe Perspektive und mehr Ablagefläche für große Objektive haben möchte. Unseren Fahrer Dan und seinen Trecker Tau kannten wir schon von unserem ersten Besuch und freuten uns sehr, die beiden wiederzusehen. Nette, differenzierte Menschen, die in der Gegend aufgewachsen sind und ausgezeichnet zusammenarbeiten.

Manche Safari-Tage sind sehr ruhig und andere fast unwirklich. Und so einer war unser erster. Drei verschiedene Großkatzen in nur zwei Stunden - eine Gepardin mit vier Jungen, eine Leopardin mit einem Jungen und einem Männchen, das in der Nähe war, um Ärger abzuwenden und sich durchfüttern zu lassen. Und eine alte Löwin, die den Leos die Beute abnahm. Es sollten auch ruhigere Tage kommen, aber es gab in der Tat keinen einzigen, an dem wir nichts gesehen haben. Eine Befürchtung, die ich immer habe und die sich durchaus auch schon einmal bewahrheitet hat, war bei dieser Tour zum Glück unbegründet. Sie betrifft die Anzahl und Gesinnung der Mitfahrer auf dem Safarifahrzeug. Man muss vorwegschicken, dass meine Frau und ich für gewöhnlich selber fahren und somit auch entscheiden können, wie lange wir an einem Sighting verweilen und wo und insbesondere wie weit weg wir uns platzieren. In Mashatu werden die Fahrzeuge nicht überladen. Eigentlich waren wir meistens zu viert, zwei Tage lang zu sechst und niemals mehr. Was die Distanz zu den Sightings angeht, so achtete Dan sehr genau darauf, dass alle zu ihrem Recht kamen, also von 600mm bis Handy. An dieser Stelle einen herzlichen Gruß an Marietta und Helmut nach Lichtenstein, Ihr wart die besten Mitfahrer, die wir uns wünschen konnten!

Je nach gestecktem Ziel konnte die Anfahrt bis zu einem Sighting durchaus weit sein und lange dauern. Ein verendeter Elefant zog über die ganzen acht Tage unseres Aufenthaltes die unterschiedlichsten Tiere an und bot, wenn man mal nichts anderes fand, immer die Gelegenheit für interessante Beobachtungen und zum Teil auch wirklich reizvolle Motive. Aber letztlich ist es in Mashatu auch so, wie in allen anderen Wildlife-Gebieten Afrikas, die ich bislang besucht habe: erst kommt der Leopard und dann alles andere. Und Leoparden gab es wirklich einige zu sehen.

Zum Glück aber war unser Team aus Guide und Tracker anders gestrickt, als viele andere, die wir bisher kennengelernt hatten. Klar, auf Leoparden legten sie auch großen Wert. Wir auch. Aber man hatte auch an allen anderen SIghtings die Zeit, die man benötigte, entweder um zu fotografieren oder nur zu beobachten. Alle durften sagen, was sie gerne sehen würden und Dan und Tau versuchten, es möglich zu machen. Wenn die beiden sagten, dass eine gute Chance besteht, ein Lepardenmönnchen zu finden, dann hat es auch geklappt. Wenn jemand noch keine Hyänen gesehen hatte, dann konnte man fast sicher sein, dass sich das änderte. Aber wenn die Wünsche sehr exotisch wurden - zum Beispiel Erdferkel oder Honigdachs - dann taten die beiden nicht so, als wäre das alles kein Problem. Was uns sehr gut gefiel, war die Regelung, dass nur drei Autos an einem SIghting stehen durften. Sobald das vierte auftauchte, musste das erste wieder fahren. Irgendwie haben die Guides es geschafft, die Sichtungen so gekonnt auf die Autos zu verteilen, dass wir nicht einmal weiterfahren mussten.

Im Tent Camp, das für uns die perfekte Mischung aus Ursprünglichkeit und Luxus bot, liefen die Tage immer gleich ab. Wer schon mal auf Safari war, wird wissen, was ich meine. Aufstehen um fünf Uhr morgens, Minifrühstück einnehmen - wenn man so früh schon etwas essen kannn - Abfahrt noch im Dunkeln gegen sechs und je nach Sichtung etwa gegen 09:30 Uhr ein Coffee Brake. Dann zurück ins Camp zum eigentlichen Frühstück. Danach Mittag bis zum High Tea gegen 15:00 Uhr. Danach Afternoon DrIve, Sundowner - eigentlich immer Gin Tonic - und Rückkehr ins Camp gegen 19:30 Uhr, wenn es bereits dunkel war. Dann Dinner und danach ab ins Zelt. Und obwohl man meinen könnte, der immer gleiche Ablauf würde irgendwann langweilig, ist das mit Nichten so. Kaum ist man im Camp, möchte man schon wieder rausfahren und noch mehr sehen oder wieder nach etwas Neuem suchen, die Landschaft und die Luft geniessen oder versuchen, die Stimmen und Geräusche des afrikanischen Busches zu verstehen.

Ein Gund dafür, dass wir lieber in Safarizelten, als in festen Häusern übernachten, ist die nächtliche Geräuschkulisse. Im klimatisierten Häuschen höre ich nicht, wenn die Schakale und Hyänen nachts kommunizieren oder der Leopard seine Anwesenheit im Revier kundtut. Ganz zu schweigen von den Rufen der Vögel. Was Mashatu, aber auch das angrenzende Mapungubwe auf südafrikanischer Seite besonders auszeichnet, ist die abwechslungsreiche Landschaft. Man fährt ebenso durch felsige Regionen, wie durch Flussbetten, durch offene Savanne, aber auch Galeriewälder. Nur Sumpf gibt es nicht.

Wenn man schon häufiger im südlichen Afrika unterwegs war, verschieben sich die Prioritäten ein wenig. Insbesondere für mich als Naturfotografen. Man versucht, nicht mehr alles zu fotografieren und sucht nach dem besonderen Moment, dem besonderen Licht, der besonderen Action. Ich habe allerdings festgestellt, dass dieser Weg für mich nicht gut funktioniert. Der Appetit kommt beim Essen, was soviel heißen soll, daß ich während des Fotografierens mehr und mehr Lust darauf bekomme und wacher werde. Von null auf hundert kann ich nicht.

Zum anderen kommt das besondere Bild erst zu mir, wenn ich nicht mehr danach suche. Was einen in der Vergangenheit fotografisch zufrieden gemacht hat, ist schon lange nicht mehr genug und damit man auch nach dem x-ten Safari-Urlaub noch zufrieden mit den eigenen Bildern ist, muss man den Moment erkennen, in dem sich etwas besonderes anbahnt oder die Szenerie, die für das besondere Bild taugt, lange genug beobachten, immer wieder aufsuchen. Sicher gibt es Tiere, von denen ich nicht genug bekommen kann, auch wenn keine außergewöhnlichen Bilder entstehen. Aber um stimmungsvolle Aufnahmen zu kreieren, brauche ich nicht unbedingt einen Löwen oder Leoparden, oder abendliches Gegenlicht und die millionenste Scherenschnittaufnahme einer Giraffe. Ich muss mir darüber klar werden, was für mich die afrikanische Wildnis so besonders macht und versuchen, dieses Gefühl im Bild umzusetzen. Das muss nicht unbedingt eine lichtdurchflutete Gegenlichtszenerie in der Kalahari sein. Auch der Moment, in dem Schakal und Geier versuchen, sich gegenseitig von einem Kadaver fernzuhalten, oder das Porträt einer Hyäne, das den, vorsichtig ausgedrückt, intensiven Geruch des Tieres einfängt, nachdem es eine Nacht in einem Elefantenkadaver verbracht hat, sind für mich eher reiz- und stimmungsvoll. Es geht um den richtigen Moment. Nicht nur für die gelungene Actionaufnahme, sondern auch für den Gesichtausdruck eines Tieres, das Licht, das durch die Bäume auf einen Pfad fällt oder das richtige Verhältnis von Hauptmotiv und Lebensraum, das den Moment für den Betrachter erlebbar macht.

Niemals sollte man versuchen, für jemand anderen zu fotogafieren. Nur weil eine bestimmte Art zu fotografieren en vogue ist, sollte man noch lange nicht versuchen, seine Art zu fotografieren diesem Trend anzupassen. Das soll nicht bedeuten, dass man nicht experimentieren darf. Muss man sogar, sonst wird es öde. Aber die Qualität der eigenen Aufnahmen steigt nicht automatisch, nur weil ich den Lebensraum meines tierischen Motivs zur Hauptsache erkläre oder permanent versuche, aussagefreie Motive mit ICM aufzuhübschen. Nicht, dass mit solchen Herangehensweisen und Techniken nicht wunderbare Bilder entstehen können, aber es muss vor allem einem selbst gefallen und die Arbeit am Erstellen des Fotos muss einen befriedigen, sonst entsteht nichts brauchbares.

Nach acht Nächten mussten wir das Tent Camp wieder verlassen und Dan fuhr uns zurück nach Pont Drift zu unserem Auto. Sogar für einen Funktions-Check blieb er noch, nur um sicher zu stellen, dass die Affen oder Ratten nicht die Kabel zerstört hatten. Wir verabschiedeten uns und traten die Fahrt zu unserer letzten Unterkunft an. Wir hatten das Cuckoo´s Nest in Louis Trichard gewählt und es war eine gute Entscheidung. Traumhafte Lage, nette Gastgeber, gutes Essen. Auch wenn der Weg nach Johannesburg mit knapp 400 km recht weit war, ließ es sich problemlos fahren und wir hatten noch viel Zeit, bis abends um 18:00 Uhr der Flieger ging. Übrigens sind wir zum ersten Mal mit Turkish Airlines geflogen und können die Airline nur empfehlen. Nur der Moloch von Istanbuler Flughafen ist zum abgewöhnen. Gibt es eigentlich irdendjemanden, der 7 € für einen Espresso bezahlt? Nun gut. Aber es ist schon- nett ausgedrückt -geschäftstüchtig, wenn man Sitzmöglichkeiten nur dort anbietet, wo man etwas verzehren muss.

Technische Überlegungen zur Fotografie spare ich mir diesmal, obwohl ich in letzter Zeit schon einigen Humbug von selbsternannten Wildlife Photography - Experts gelesen und gehört habe, den man eigentlich mal richtig stellen müsste. Aber dazu werde ich wohl demnächst mal etwas schreiben müssen.

Bis zum nächsten Blog, der von ingesamt vier Besuchen im Kgalagadi Transfrontier Park handeln wird. Oder von Buntspechten. Oder Wasseramseln. Ich verbleibe in der Hoffnung, dass Ihr meinen Bericht gerne gelesen habt. Bis dahin…

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Peter Lindel Peter Lindel

Botswana, Zimbabwe, Südafrika - eine epische Reise

Oft hört man in Berichten über längere Reisen den Begriff "episch"und ich habe mich immer gefragt, was er eigentlich bedeutet und ob er hinreichend beschreibt, wie eine Tour abgelaufen ist, was man erlebt hat, was man gesehen hat und welche Stimmungen einen überkommen haben. Laut Duden bedeutet er "steigerungslos" und weist auf ein besonderes Ausmaß hin, aber auch "berichtend" oder vielmehr "erzählend, ohne eine Einzelheit auszulassen".

Oft hört man in Berichten über längere Reisen den Begriff "episch"und ich habe mich immer gefragt, was er eigentlich bedeutet und ob er hinreichend beschreibt, wie eine Tour abgelaufen ist, was man erlebt hat, was man gesehen hat und welche Stimmungen einen überkommen haben. Laut Duden bedeutet er "steigerungslos" und weist auf ein besonderes Ausmaß hin, aber auch "berichtend" oder vielmehr "erzählend, ohne eine Einzelheit auszulassen".

Der folgende Reisebericht soll hinreichend, aber nicht von allzu epischer Breite sein. Ob die Tour steigerungslos war, kann ich naturgemäß jetzt noch nicht beurteilen, da ich nicht weiß, was die Zukunft bringt. Nur soviel ist sicher, sie war bislang unübertroffen.

Den Interkontinentalflug von Düsseldorf über London nach Johannesburg hatten wir bei British Airways gebucht, was wieder einmal eine gute Idee war. Obwohl wir zu dritt waren und sich insbesondere das Fotogepäck somit auf drei Reisende verteilen ließ, ist es immer wieder beruhigend zu wissen, dass man man sowohl einen 23 kg schweren Koffer, als auch 23 kg Handgepäck mitnehmen darf. Also eine klare Empfehlung für Touren mit anderen Fotografen oder Alleinreisende.

Der Flug von Johannesburg nach Kasane erfolgte mit Airlink, was schon in der Vergangenheit gut klappte und auch diesmal reibungslos verlief. Wir kamen mittags in Kasane an und wurden von einem Mitarbeiter der Kubu Lodge abholt. Bei 37°C bezogen wir unsere komfortablen, wenn auch nicht klimatisierten Unterkünfte in der malerisch am Chobe Rover gelegenen Lodge. Bereits eine Stunde später wurden wir zu einem Anleger in der Nähe gebracht, wo wir ein Flachboot mit Sonnendach bestiegen und unsere erste Flusstour starteten. Wir waren die einzigen Gäste an diesem Nachmittag und einmal mehr kam es uns surreal vor, dass wir noch 24 Sunden vorher im nasskalten Dortmund gewesen waren, nun aber zwischen Flusspferden hindurchfuhren und am Ufer nach den vielen unterschiedlichen Spezies - seien es Vögel, Säuger oder Reptilien - Ausschau hielten. Büffel, Elefanten, Krokodile, Warane, Störche unterschiedlicher Arten und gegen Abend auch ein Löwenrudel am landseitigen Ufer ließen uns unvermittelt, tief und befriedigend eintauchen in unser diesjähriges Afrikaerlebnis.

Die Bootstouren starteten morgens um 9:00 Uhr und somit für Fotografen, die Wert auf gutes Licht legen, zu spät. Die Game Drives in den Chobe Nationalpark waren früher angesetzt, wurden aber für meinen Geschmack ein wenig lieblos durchgeführt. Immer derselbe Weg, ein Fahrer der entweder nicht gucken konnte oder keine Lust dazu hatte und die Sichtungen den Gästen überlies. Zum Glück hatten wir am Vortag vom Boot aus ein Löwenrudel gesehen, das seinen Platz nicht gewechselt hatte und leicht wiederzufinden war.

Am dritten Tag wurde unser Toyota Hilux zur Lodge gebracht, wir bekamen ein kurze Einführung und ich habe mich darum gekümmert, dass wir die fälschlicherweise mitgelieferte Campingausstattung in einem Büro in Kasane abgeben konnten. Nur das Zelt blieb auf dem Dach. Wir verabschiedeten uns von unserer ersten Unterkunft und fuhren in die Stadt, um Geld zu tauschen. Botswanische Pula in US-Dollar, da wir vor der Reise verpennt hatten, uns nach der gebräuchlichen Währung in Zimbabwe zu erkundigen. Zwei Stunden Wartezeit in der Bank, einen Kassierer, den man mit dem rasch gegoogleten Wechselkurs noch zur Auszahlung von mehr Dollar für weniger Pula veranlassen konnte und eine bei 45 °C im Auto weichgekochte Tochter später, fuhren wir die kurze Strecke zur Grenze nach Zimbabwe. Auf der botswanischen Seite wurden wir einfach durchgewunken, die Grenzbeamten auf der Seite Zimbabwes benötigten allerdings fast 1,5 Stunden zur Abwicklung der Einreise. Unserer Meinung nach waren auch nicht alle von ihnen Offizielle.

Die Bayete Guest Lodge war genau das, was wir nach dem Affentanz bei der Einreise nach Zimbabwe gebraucht hatten. Eine Oase mit klimatisierten Zimmern und einem phantastischen Restaurant.

Die Fälle besuchten wir auf Anraten einer Mitarbeiterin an der Rezeption bereits morgens früh um 06:15 Uhr. Wegen der noch erträglichen Temperaturen. Und es hat sich gelohnt.

Nach zwei Tagen der Entspannung führte uns unsere Reise in den Ostteil des Hwange Nationalparks zur Ivory Lodge. Diese liegt in einer privaten Konzession, die aber für die Tiere der Gegend frei zugänglich ist. Überhaupt ist Zimbabwe noch deutlich wilder als Südafrika. Man begegnet Giraffen und Elefanten auch außerhalb der Reservate oder Nationalparks. Was in Südafrika eine Nachrichtenmeldung wert ist, gehört in Zim zur Normalität. Am Nachmittag lernten wir Honey kennen. Sie war unsere Game Rangerin für die nächsten zwei Tage und führte uns direkt am Abend des ersten Tages zu einem Rudel African Wild Dogs.

Das lokale Löwenrudel bestand aus einem Mähnenlöwen und drei Löwinnen, die alle drei trächtig waren. Noch nie habe ich eine wilde Löwin gesehen, die im Alter von neun Jahren noch so perfekt aussah, wie das Exemplar unten im Bild. Dem Männchen fehlte nach einem Kampf mit einem Eindringling ein Stück seiner Oberlippe und sein Bruder war auf einer benachbarten Jagdfarm erschossen worden. Daraufhin legte man dem verbliebenen Bruder ein Senderhalsband an, das nicht nur dazu diente, ihn zu lokalisieren, sondern der Erfahrung der Ranger nach dazu führt, dass die Tiere seltener erschossen werden.

Am Morgen des siebten Reisetages brachen wir in den Westteil des Hwange Nationalparks auf. Unser Ziel, das Robin´s Camp, liegt im äußersten Westen des Nationalparks als privat geführtes Camp auf staatlichem Grund. Wir erreichten dieses erst nachmittags, nachdem wir uns wiederholt zu längeren Unterbrechungen der Fahrt hinreißen ließen, um Elefanten zu beobachten. Der Hwange war in weiten Teilen sehr trocken und wir fanden allein auf unserem 70 km langen Weg vier tote Elefanten. Die Gründe für den Tod der noch jungen Tiere konnten sowohl Wasserknappheit, das geringe Nahrungsangebot als auch Milzbrand sein.

Die "PR-Abteilung" des Robin´s Camps hat es auf jeden Fall verstanden, dem potentiellen Besucher mit einer gut fotografierten Website einen falschen Eindruck zu vermitteln. Die Realität sah doch deutlich anders aus. Ein wegen Renovierungsarbeiten nicht zugänglicher Aussichtsturm, Baustellencharme im und um das Camp, mäßig gepflegte Unterkünfte und sehr durchschnittliches Essen. Das Personal war allerdings sehr freundlich und hilfsbereit.

Die Hauptattraktionen in der Umgebung des Camps, die Wasserlöcher Little Tom und Big Tom, die sich auf ehemaligem Farmland befinden, lockten jede Menge Tiere an, insbesondere Büffel und Elefanten, aber auch Säbel- und Pferdantilopen, Zebras und Impalas. Wir hatten viele Gelegenheiten, ausgiebig zu beobachten, hätten uns aber insgesamt in dieser Region mehr Zeit gewünscht.

Beim Grenzübertritt von Zimbabwe nach Botswana gab es bei der Ausreise kein Problem, allerdings ließ die Grenzbeamtin auf der botswanischen Seite sich eine Weile bitten. Sie stellte nämlich fest, dass wir bei der Ausreise aus Botswana keinen Stempel bekommen hatten und wir erinnerten uns daran, dass der Grenzer uns einfach durchgewunken hatte. So kann es einem gehen, wenn man im Schengenraum lebt. Man ist verwöhnt. Somit waren wir laut Pass die letzten sechs Tagen in zwei Staaten gleichzeitig gewesen. Am Ende einer eigentlich unterhaltsamen Diskussion durften wir doch einreisen, mussten allerdings der Grenzerin versprechen, bald wieder nach Botswana zu kommen. Dieses Versprechen fiel uns leicht.

Die nächste Unterkunft, die Wildtracks Safari Eco Lodge, war wie geschaffen um sich zu erholen und zwei Gammeltage einzulegen.

Die Lodge liegt in der Region Pandamatenga und wird ökologisch nachhaltig geführt. Es besteht die Möglichkeit, einen Einblick in das Leben der lokalen Community zu erlangen und zusätzlich kann man Gamedrives in das umgebende Nature Reserve oder den nahegelegenen Chobe Nationalpark buchen. Beides haben wir nicht wahrgenommen. Allerdings hatte ich in einer Nacht direkten Kontakt zum lokalen Wildlife, als mich im Bett ein Skorpion ins Bein gestochen hat. Die hastig durchgeführte Internetrecherche beunruhigte mich zusätzlich, da sich das Bild der dort vorkommenden, giftigsten Art genau mit dem Exemplar deckte, das inzwischen tot vor mir lag. Außerdem brannte mein Bein doch ziemlich und nach Einnahme von Antihistaminikum und Cortison fuhren wir nachts zu einer lokalen Klinik. Vor allem wollten wir wissen, ob der Skorpion wirklich so giftig war, wie wir dachten und der Diensthabende erklärte uns, dass ich Glück gehabt hatte und es sich um ein weniger gefährliches Tier handelte. Wenn ich jetzt noch Luft bekäme, wäre es wohl nicht so schlimm. Zum Glück behielt er Recht.

Weitere zwei Tage später führte uns unsere Reise ins Planet Baobab im Zentrum Botswanas. Diese unter Jahrtausende alten Affenbrotbäumen gelegene Unterkunft hatte schon etwas Bizarres an sich. Abgesehen von den vielen deutschen, holländischen und schweizer Gästen, die überwiegend in riesigen, geländetauglichen Wohnmobilen angereist waren, erinnerte das Design aller Gebäude doch sehr an Familie Feuerstein. Unseren Plan, eine geführte Tour über die Salzpfannen der Nxai Pans zu machen, mussten wir allerdings begraben, da wir zu spät angekommen waren. Wer das plant, sollte eine Nacht mehr dort verbringen, um morgens mit dabei sein zu können.

Wie schon angedeutet, hatten wir hier nur eine Nacht und mussten am nächsten Tag weiter zum Boteti River Camp. Die 120 km ließen sich locker im Laufe des Vormittags bewältigen. So locker, dass ich leider nicht mitbekam, dass die Straße mehrfach Teil des Makgadikgadi Nationalparks war und ich nur 80 km/h fahren durfte. Zwei sehr freundliche Polizisten erleichterten mich wegen der Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 17 km/h um umgerechnet etwa 15 € und ich war froh, nicht in der Schweiz zu sein.

Das Boteti River Camp wird von der lokalen Community geführt und ist sowohl wegen der Lage direkt am Eingang in den Makgadikgadi NP als auch der charmanten Unterkünfte und sehr guten Küche nur zu empfehlen. Auch hier ist ein längerer Aufenthalt sinnvoll, da man die Zeit zur Erkundung des Nationalparks braucht. Der Boteti führt leider seit einigen Jahren kein Wasser, die vereinzelten Wasserlöcher locken aber trotzdem sehr viele Tiere an und Staub und Sonne erfreuen ja bekanntlich das Fotografenherz.

Bis zu diesem Zeitpunkt hätte man die Tour auch mit einem weniger gut motorisierten Auto bewältigen können, aber die dortigen Sandpisten verlangten unserem Toyota Hilux einiges ab und auf den Buckelpisten herrschte mitunter hoher Seegang. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht.

Die letzte Station in Botswana war das Khama Rhino Sanctuary. Hier werden die Nashörner von paramiltärischen Wildhütertruppen rund um die Uhr bewacht. Die Fahrt dorthin war angenehm, wenn auch mit ca. 350 km recht lang. Um Zeit zu sparen, fuhren wir durch eine Diamanten-Minenregion namens Orapa: Schranke vorn, Schranke hinten, Permit und Gepäckkontrolle. Aber immerhin 40 km weniger.

Wir waren im Sanctuary untergebracht und machten nach unserer Ankunft noch einen ausgedehnten Nachmittagsdrive durch die sehr schöne Landschaft, die von zentralen Pfannen und viel Sand und Buschland geprägt war. Tatsächlich sahen wir einige Breitmaulnashörner, was uns am folgenden Tag nach der morgendlichen Ausfahrt noch mehr freute, da sie sich da nicht zeigen wollten.

Falls jemand einen Besuch in Khama plant, sollte er wissen, dass das Restaurant nicht empfehlenswert und Selbstversorgung sicher die bessere Lösung ist. Wortkarge, mitunter unfreundliche Menschen in Pommesbuden-Ambiente. Das geht sicher besser.

Am darauffolgenden Tag überquerten wir die Grenze nach Südafrika bei Grobler´s Bridge. Der Grenzübertritt war schnell und unkompliziert und dauerte etwas 30 Minuten. Über die einspurige Brücke über den Limpopo erreichten unser letztes Zielland und fuhren zügig zu unserer nächsten Unterkunft in Louis Trichardt, dem Cuckoo´s Nest. Da man dem Zustand der Straßen insbesondere im Norden Südafrikas nicht immer trauen kann, zogen wir einen Umweg über Polokwane vor und erreichten das als Bed and Breakfast ausgewiesene, familiengeführte Kleinod am späten Nachmittag. Tropischer Garten, traumhafte Kulisse durch die Soutpansberge und typische südafrikanische Gastfreundlichkeit. Absolut empfehlenswert.

Am darauffolgenden Tag verließen wir diesen Ort schon wieder und erreichten nach zügiger Fahrt durch malerische Landschaften - erst die Soutpansberge und dann das geliebte Buschland Limpopos - das Parfuri Gate im Norden der Kruger Nationalparls. Ab jetzt kannten wir uns wieder aus und wussten, was uns erwartete: viel selber kochen oder grillen, ausgedehnte Gamedrives in Eigenregie und der Stolz und die Aufregung, wenn man etwas entdeckt hat, das eigentlich kaum sichtbar war. Die folgendes 11 Tage durchquerten wir den Krüger von Norden nach Süden, ließen uns für alles viel Zeit und hatten einige teils ungewöhnliche, teils spektakuläre Sichtungen. Wir begannen mit zwei Nächten in Punda Maria, dann folgten drei Nächte im Sirheni Bushveld Camp, danach mit je zwei Übernachtungen LetabaOrpen und zum Schluss Byamiti Bushveld Camp.

Die Eindrücke, die wir dieses Mal hatten, insbesondere von der Landschaft waren wiederum vollkommen anders, als in den Jahren zuvor. Die Parfuri-Region war malerisch, aber ziemlich trocken und es fehlten weitgehend die großen Säuger. Die Gegend um Punda Maria hingegen war grün und reich an Büffeln, aber wir entdeckten auch Löwen und Geparden. Letaba, das im Zentrum des Krügers liegt und immer mein Lieblingscamp war, war sehr trocken. Der Letaba River führte kaum Wasser, es gab kaum Tiere und die Sichtungen waren rar. Je weiter wir nach Süden fuhren, desto grüner wurde es. Und kühler. In Letaba hatten wir in einer Nacht einen Temparatursturz von fast 25° und es ging noch weiter abwärts. Es folgten 24 Stunden Regen und danach eine kristallklare Luft, wie ich sie noch nie gesehen hatte.

Am letzten Tag verließen wir den Krüger Nationalpark durch das Malelane Gate im Süden und erreichten perfekt getimed den Flughafen in Johannesburg, wo wir uns mit dem Autovermieter von Ndlovu 4x4 Adventures trafen, der unseren Hilux in Empfang nahm. Nach fast vier Wochen trafen wir am Mittag des folgenden Tages wieder wohlbehalten in Dortmund ein.

Ein paar abschließende Gedanken

Zunächst einmal muss man sagen, dass wir immer noch von den Erlebnissen unserer Tour zehren. Fast kein Tag vergeht, an dem nicht einer von uns dreien diesen Urlaub erwähnt. Auch wenn der Anbieter African Travels unseren Reiseverlauf als ungewöhnlich bezeichnete- die meisten fahren wohl von Süden nach Norden - so kommt er uns auch heute noch absolut schlüssig vor. Zumindest, wenn man neben Botswana und Zimbabwe auch noch den Krüger NP besuchen möchte. Die ausgewählten Ziele würden wir zwar nicht alle wieder genauso wählen, aber einige entpuppten sich als echte Highlights. Besonders zu nennen sind da vor allem die Bayete Guest Lodge, das Ivory Camp, der Chobe River, das Boteti River Camp, das Sirheni Bushveld Camp wie auch das Biyamiti Bushveld Camp. Ebenso würden wir immer wieder einen Wagen über Ndlovu 4x4 Adventures mieten. Das Auto erwies sich als zuverlässig, sehr geländegängig und insbesondere war es trotz der zusätzlichen Kosten durch den unterschiedlichen Übernahme- und Abgabeort sowie das Dreiländer-Permit bezahlbar. Bei Avis hätten wir fast das doppelte bezahlt. 

Aus naturfotografischer Sicht könnte man sicher eine andere Tour wählen, vielleicht ein Vermögen ausgeben und ins Okavangodelta fahren, Im Makgadikgadi campen oder, ausgehend von einer anderen Unterkunft als dem Robin´s Camp mehr Zeit im Hwange Nationalpark verbringen. Aber so war die Reise ja nicht gedacht. Alle sollten zu ihrem Recht kommen und die Zufriedenheit in den Augen meiner Mitfahrerinnen sagt mir, dass die meisten Wünsche befriedigt wurden und die Begeisterung nachhaltig ist.

Wir haben endlich einmal nach Botswana und Zimbabwe reingeschnuppert und das hat seine Wirkung nicht verfehlt. Wir werden wieder dorthin fahren und es wird dann bestimmt eine Schnittmenge aus neuen und alten Zielen geben.

Ich als Naturfotograf frage mich nachher natürlich immer, ob ich das fotografiert habe, was ich mir vorgenommen hatte. Ja und nein lautet die Antwort. Wie immer. Aber eine kleine Offenbarung war das 2,8/400er. Es kam soviel zum Einsatz wie noch nie und wenn ich mir die Metadaten ansehe, habe ich es deutlich häufiger benutzt als das 600er. Ein Grund dafür waren sicher die Bootstouren, auf denen eine leichtere Ausrüstung besser zu handhaben ist und die Fahrten im Safarifahrzeug. Insbesondere mit weiteren Gästen um einen herum hat man mehr Bewegungsfreiheit und auch hier ist oft Schnelligkeit gefragt, wenn der Fahrer wieder einmal der maulenden Mehrheit folgt und fast ins Löwenrudel hineinfährt, wenn man selber lieber aus einiger Entfernung die Szene mit langer Brennweite fotografieren würde. Ein Fahrer für nur einen Fotografen ist ein Luxus, den man zu schätzen lernt, der aber weder jedesmal erschwinglich, noch sozial kompatibel ist, wenn man auch mit Menschen reist, die nicht primär Fotos machen wollen.

Allen Unterkünften sind Links hinterlegt, so dass sich jeder bei Interesse noch etwas genauer informieren kann.


Bis zum nächsten Blog, der wohl von meinen Erfahrungen im Kgalagadi Transfrontier Park handeln wird.

Grüße aus Dortmund!

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Peter Lindel Peter Lindel

Ein Glücksfall

Wenn naturfotografisch nichts läuft, entweder weil das Wetter nicht mitspielt, oder die Tiere oder beides und Beruf und Familie viel Zeit in Anspruch nehmen, dann braucht man einen Glücksfall. Seit zwanzig Jahren wohnen wir in unserem Haus an der Emscher mitten im Dortmunder Süden und nie hatten wir das Glück, dass trotz der eigentlich guten Möglichkeiten für verschiedenste Spezies, sich bei uns rumzutreiben oder gar einzunisten, irgendetwas Erwähnenswertes passiert ist. Abgesehen von Ratten im Haus gegenüber und Unmengen von Katzen, denen ein ums andere mal die Rotkehlchenbruten zum Opfer fielen, gab es allenfalls durchziehende Arten, Zaungäste auf dem Weg zu ihren Revieren. Als ich allerdings in diesem April dabei war, unseren Balkon sauber zu machen, hörte ich unweit den unverwechselbaren Klang von erregt kommunizierenden Turmfalken und konnte gerade noch sehen, wie einer von ihnen aus einem Loch unter dem Dach des Nachbarhauses herausschoss.

Wenn naturfotografisch nichts läuft, entweder weil das Wetter nicht mitspielt, oder die Tiere oder beides und Beruf und Familie viel Zeit in Anspruch nehmen, dann braucht man einen Glücksfall. Seit zwanzig Jahren wohnen wir in unserem Haus an der Emscher mitten im Dortmunder Süden und nie hatten wir das Glück, dass trotz der eigentlich guten Möglichkeiten für verschiedenste Spezies, sich bei uns rumzutreiben oder gar einzunisten, irgendetwas Erwähnenswertes passiert ist. Abgesehen von Ratten im Haus gegenüber und Unmengen von Katzen, denen ein ums andere mal die Rotkehlchenbruten zum Opfer fielen, gab es allenfalls durchziehende Arten, Zaungäste auf dem Weg zu ihren Revieren. Als ich allerdings in diesem April dabei war, unseren Balkon sauber zu machen, hörte ich unweit den unverwechselbaren Klang von erregt kommunizierenden Turmfalken und konnte gerade noch sehen, wie einer von ihnen aus einem Loch unter dem Dach des Nachbarhauses herausschoss.

Den ganzen Tag über blieb es ruhig und ich sagte zu meiner Frau, wie stark ich es fände, wenn die Falken wiederkommen oder sogar bei uns nisten würden. Kaum war es ausgesprochen, kamen die Falken laut rufend angeflogen und paarten sich auf halber Höhe in einer großen Birke vis à vis von unserem Arbeitszimmer. Die Birke war zu dieser Zeit noch in lichtem Grün, so dass das Treiben der Falken nicht hinter dichten Blättern verschwand. In den folgenden zwei Wochen folgten unzählige Paarungen, zumeist in Fotografierentfernung annähernd auf Augenhöhe auf der Ostseite unseres Hauses und immer wieder inspizierten Weibchen und Männchen die Lücke unter dem Dach gegenüber, ob sie wohl als Brutplatz geeignet sei. Schon früh konnte man den Eindruck gewinnen, dass für ihn der Brutplatz schon ausgemachte Sache war, während sie erst noch überzeugt werden musste. Nur selten verbeugte sich das Weibchen vor der Beuteübergabe. Meist entriss sie ihm die Maus einfach. Die Ernährung der Falken kann man guten Gewissens als einseitig bezeichnen, obwohl es zumindest unterschiedliche Mäusespezies waren.

Unzählige der kleinen Nager mussten im Rahmen der Balzfütterung ihr Leben lassen und eines Abends konnte man ein einzelnes, rotbraunes Ei in der Bruthöhle entdecken. Über die nächsten Tage und Nächte kamen weitere dazu und wir waren uns nicht sicher, ob inzwischen drei oder fünf dort lagen. Trotz der noch sehr kalten Nächte mit Temperaturen bis unter dem Gefrierpunkt begann das Weibchen erst mit der Brut, als das letzte Ei gelegt war, dann allerdings unbeirrbar und konsequent. Der Terzel schleppte Mäuse an, übergab diese in der Regel auf der Birke, wo vormals die Paarung stattgefunden hatte und bebrütete die Eier, solange das Weibchen fraß, sich putze, streckte und einige Runden drehte.

Am 19. Juni, dreißig Tage nachdem das letzte Ei gelegt war, schlüpften die fünf Jungen. In den ersten Tagen gab es schnabelgerechte kleine Häppchen, die langsam größer wurden. Die Verweildauer der Altvögel in der Nisthöhle richtete sich ausschließlich danach, wie lange und intensiv gefüttert werden musste. Pausen wurden über Tag nicht gemacht. Auch wenn das Weibchen viel seltener auf die Jagd ging, als das Männchen, war sie nicht untätig, denn sie war diejenige, die etwaige Fressfeinde attackierte und von erhöhter Warte aus die Umgebung im Auge behielt. Schon nach einer guten Woche gingen die Altvögel dazu über, die Beute von morgens an nur noch gekröpft abzulegen und am Abend zu kontrollieren, ob die Jungen in der Lage waren, die Mäuse zu zerlegen und zu fressen. Falls sie den Eindruck hatten, dass nicht genug gefressen wurde, zerlegten sie die Beute und verteilten sie beeindruckend gerecht. Mehr als einmal konnte ich beobachten, wie das Männchen zwar mit Maus zu den Jungen flog, diese aber dann wieder mitnahm und selber fraß. Wir gönnten es ihm, denn das Pensum, das er zu absolvieren hatte, war immens. Zu kurz kam zumindest keiner und der Einsatz der Altvögel war sowohl aufopfernd als auch effektiv. Jede Nacht saß das Weibchen auf der Pfette vor dem Eingang zur Nisthöhle und bewachte den Nachwuchs. Die Unzahl der bei uns ansässigen Elstern und Rabenkrähen, aber auch Eichelhäher und Mäusebussarde wurden von den Altvögeln lautstark und in rasantem Tempo attackiert und vom Nest ferngehalten. Auch konnte ich immer wieder beobachten, dass das Weibchen vor dem Anflug des Nestes die Umgebung genau inspizierte, um den Brutplatz für etwaige Fressfeinde nicht zu offensichtlich zu machen.

Den Nistplatz hatte das Falkenpaar dankenswerter Weise so gewählt, dass ich ihn aus den gegenüberliegenden Zimmern meiner Töchter entweder leicht von oben oder minimal von unten einsehen konnte. Die Distanz betrug ca. 16 m. Alles war möglich: entweder 400mm für die unberechenbaren An- und Abflüge, 600mm für die auf dem Dach herumturnenden, flüggen Falken oder gar 1200mm, um ins Nest zu schauen und die Jungvögel beim Versuch zu beobachten, halbe Mäuse am Stück zu verschlingen. Ich drehte viele kurze Videoclips, machte unzählige Fotos und mit zunehmender Größe und somit Enge im Nest wuchs die Angst, einer der Jungvögel könnte herausfallen. Dies geschah zum Glück nicht und am 10.07.2023 traute sich der erste der Kleinen auf die Pfette in ca. 60 cm Entfernung. Er blieb nicht lange dort und die Landung im rettenden Hafen bei den Geschwistern sah noch sehr ungekonnt aus. Aber das Eis war gebrochen. Als ich zwei Tage später mit dem Fernglas einen Blick ins Nest werfen wollte, fehlten zwei Jungfalken. Ich öffnete das Fenster unseres Hauses, das dem Nestplatz gegenüber lag und fand zwei junge Falken vor, die zwischen die gläserne Absturzsicherung und das bodentiefe Fenster gerutscht waren und nicht wieder nach oben fanden. Während es einem der beiden irgendwie gelang, sich durch einen wenige Zentimeter breiten Spalt am Boden in die Freiheit zu quetschen, war der andere zu sehr in Panik. Ich konnte ihn aber schließlich dazu bewegen, sich auf einen Holzstab zu setzten, von wo er nach einer Viertelstunde Erholung zurück zum Nest flog.

In den darauf folgenden etwa zwei Wochen bevölkerten die fünf Falken alle benachbarten Dächer und unternahmen immer weitere Ausflüge in die Umgebung. Ein weiterer Rettungsversuch verlief ebenso erfolgreich wie der erste und zwischenzeitlich wurden auch Gartengeräte und Fahrräder für Ruhepausen zwischen den noch anstrengenden Trainingsflügen genutzt. Irgendwann kamen nur noch vier von fünf abends zurück zum Nest und schließlich nur noch einer, der sich zum Übernachten auf die Pfette setzte. Inzwischen sind alle ausgeflogen und man kann nur hoffen, dass möglichst viele das kritische erste Jahr überleben. Und wenn wir Glück haben, kommen sie vielleicht im nächsten Jahr wieder.

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Peter Lindel Peter Lindel

Parfuri - Sehnsuchtsort im Norden des Krüger Nationalparks

Im äußersten Norden des Krüger Nationalparks an der Grenze zu Simbabwe liegt die Parfuri-Region. Die wenigsten Besucher des Parks waren jemals dort, was unterschiedliche Gründe hat. Zum einen betreten die meisten den KNP im Süden und die Distanzen zwischen den Camps werden in Richtung Norden immer größer und die Straßen immer weniger. Das einzige staatliche Camp, welches man buchen kann, ist das Parfuri Border Camp und man hat dort die Auswahl zwischen drei Unterkünften. Also tatsächlich nur drei verschiedenen Häusern, nicht etwa Unterkunftstypen. Zum Vergleich bietet ein Main Camp wie Letaba im Zentrum des Parks 103 feste Unterkünfte und zusätzlich 60 Zeltplätze sowie 10 feste Zelte.

Im äußersten Norden des Krüger Nationalparks an der Grenze zu Simbabwe liegt die Parfuri-Region. Die wenigsten Besucher des Parks waren jemals dort, was unterschiedliche Gründe hat. Zum einen betreten die meisten den KNP im Süden und die Distanzen zwischen den Camps werden in Richtung Norden immer größer und die Straßen immer weniger. Das einzige staatliche Camp, welches man buchen kann, ist das Parfuri Border Camp und man hat dort die Auswahl zwischen drei Unterkünften. Also tatsächlich nur drei verschiedenen Häusern, nicht etwa Unterkunftstypen. Zum Vergleich bietet ein Main Camp wie Letaba im Zentrum des Parks 103 feste Unterkünfte und zusätzlich 60 Zeltplätze sowie 10 feste Zelte. Es ist also notwendig, rechtzeitig zu buchen und sich darüber im Klaren zu sein, dass es eigentlich in der näheren Umgebung des Camps nur drei Straßen respektive Sandpisten gibt, die man befahren kann. Wenn man mehr von der Region sehen möchte, muss man sich in der Makuleke Concession einbuchen, was allerdings erheblich teuer ist, da diese nicht zum von Sanparks verwalteten Gebiet des Krügers gehört. Erschwerend kommt hinzu, dass man sich - wie in allen Camps ohne Restaurant - selbst versorgen muss und die nächste Einkaufsmöglichkeit in Punda Maria zu finden ist, was 71 km entfernt liegt. Das Killerargument gegen einen Besuch von Parfuri ist für viele allerdings die geringe Dichte von Raubtieren. Die letzten Löwen haben sich vor einigen Jahren in den Süden zurückgezogen, Geparden findet man praktisch nicht und Leoparden sind zwar nicht selten, aber aufgrund der ganzjährig dichten Vegetation schwer zu entdecken. Der Apex-Predator ist die Tüpfelhyäne und auch diese haben wir bei unserem diesjährigen Besuch nicht zu Gesicht bekommen.

Der Grund für unseren wiederholten Besuch in Parfuri liegt woanders und wenn man diejenigen fragt, die auch schon einmal dort waren, schlägt einem immer Begeisterung entgegen, gefolgt von Berichten über die reiche Vegetation und die großen Herden von Büffeln und Elefanten. Auch unter den Vogelbegeisterten führt die Erwähnung von Parfuri sofort zu einem verklärten Blick und zu einer Aufzählung der unterschiedlichen Vogelarten, die man dort sehen kann. Was uns - meine Frau und mich - angeht, so wollten wir dort oben in Begleitung von Walking Guides wandern und endlich einmal die Wälder von innen sehen, die man sonst nur von außen betrachten kann. Und das haben wir dann auch getan und waren bezaubert, beeindruckt, begeistert.

Unsere Woche war unterteilt in drei Tage mit jeweils zwei geführten Wanderungen in der Makuleke Concession ausgehend vom Nkula Tented Camp und drei Tagen im Parfuri Border Camp, während derer wir im eigenen Auto unterwegs waren. Zwei professionelle Guides führten uns jeweils am Vormittag und am späten Nachmittag durch verschiedene, immer sehr unterschiedliche Landschaften. Während der erste Walk uns durch den Jackalberry Tree Forest direkt an den Ufern des Limpopo führte, erklommen wir am Nachmittag felsiges Gelände, um von oben in eine bewaldete Schlucht zu blicken, deren Baumriesen fast bis auf unsere Höhe reichten.

Da nur eine der Wanderungen direkt im Camp startete, wir aber sonst immer erst mit dem Auto zum Startpunkt gefahren wurden, hatten wir als Zugabe immer noch die Nachtfahrt zurück ins Camp, während derer wir verschiedenste nachtaktive Bewohner zu Gesicht bekamen.

Die Guides waren beide gut ausgebildet und wir empfanden es als sehr bereichernd, an ihrem Wissen über das dortige Ökosystem teilzuhaben. Uns wurden Insekten, Amphibien und Pflanzen erklärt, über die wir ansonsten sicher nichts erfahren hätten. Man konnte die beiden fast alles fragen und wenn sie einmal keine Antwort wussten, schlugen sie sofort in dem passenden Online-Lexikon nach oder befragten zum Beispiel eine fest installierte App nach der gesuchten Vogel - oder Pflanzenart.

Das Highlight war sicherlich der Gang durch den Fever Tree Forest. Einen Vormittag liefen wir zwischen den grünen Baumriesen hindurch, versuchten die große Menge unterschiedlicher Vogelarten zu bestimmen und ich habe wieder einmal festgestellt, dass ein sich Telezoom für die Fotografie im Wald besser eignet, als ein Weitwinkel. Allerdings muss insbesondere dem passionierten Naturfotografen klar sein, dass er bei diesen Wanderungen nur wenig Zeit bekommt, seine Motive auf den Chip zu bannen. Man ist Teil einer Gruppe, die sich an die Regeln der Guides zu halten hat. Und zurückzubleiben ist keine Option. Wenn die Mitstreiter verständnisvoll sind, hat man vielleicht mal zwei Minuten, aber mehr ist nicht drin. Laut einer Erzählung unserer südafrikanischen Mitstreiter ist der Fever Tree in der Lage, sowohl Giftstoffe im Boden in einen tief am Stamm ansetzenden Ast umzuleiten, als auch bei Wassermangel diesen nicht zu versorgen. Da er auf diese Weise einen Ast opfert, um zu überleben, spricht man vom "sacrificed branch". An vielen Bäumen finden sich in der Tat schwarze, leblose Äste, die die Geschichte zu belegen scheinen.

Der Artenreichtum ist immens und, zumindest was die Vogelwelt betrifft, erkennbar größer als im Süden des Krüger Nationalparks. Die nun folgenden Aufnahmen sind alle auf einer Strecke von etwas 3 km beidseits einer Sandpiste entstanden, die entang des Luvuvhu - einem Zufluss zum Limpopo - verläuft. Innerhalb von zwei Stunden eines Tages.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Norden des Krügers zu Fuß zu erkunden. Wir haben uns für eine Variante entschieden, bei der man morgens und Nachmittags kleine Wanderungen unternimmt und zwischendurch immer wieder in ein festes Zeltcamp zurückkehrt (https://returnafrica.com/escapes/pafuri-walking-trails). Andere Anbieter geben einem auch die Möglichkeit, mehrere Tage am Stück mit mobilen Zelten die Region zu erwandern, was für uns aus unterschiedlichen Gründen - zumindest beim ersten Mal - nicht in Frage kam.

Am vierten Tag unseres Aufenthaltes in der Parfuri Region begann der Self Drive-Teil der Tour mit dem Parfuri Border Camp als Basis. Die Versorgung mit verderblichen Lebensmitteln erfolgte in Punda Maria. Alles andere hatten wir schon vorher außerhalb des KNP eingekauft. An dem von uns bewohnten Mockford Cottage ist die Pandemie leider nicht spurlos vorübergegangen und der Renovierungsstau war offensichtlich: nur ein dünner Strahl warmes Wasser in der Wanne, sonst nirgends im Haus, auch nicht in der Küche. Strom nur etwa für die Hälfte des Tages und überall zerstörte Moskitonetze. Solange da nichts geschieht, werden wir sicher nicht noch einmal das Cottage mieten. Dafür versuchten insbesondere Elefanten und Büffel dieses Manko wieder wettzumachen und es gelang ihnen sehr schnell, die aufkommende schlechte Laune zu vertreiben. Wieder einmal bescherten uns die Wälder am Limpopo und Luvuvhu begeisternde Sichtungen. Das Wetter war meist regnerisch und was wir anfänglich als Manko empfanden, entpuppte sich insbesondere in Kombination mit dem satten Grün der üppigen Vegetation als sehr positiv. Und ich hatte wieder soviel Zeit, wie ich wollte, um zu fotografieren. Keiner drängelte und meine Frau ist geradezu "elefantensüchtig" und dankenswerter Weise in der Lage, mir das sichere Gefühl zu geben, dass ich genug Zeit habe.

Nachdem ich meine beiden letzten Afrikaaufenthalte in der Masai Mara in Kenia verbracht habe, habe ich es sehr genossen, viel Zeit mit den Säugetieren zu verbringen, die, wegen des Focus auf den Großkatzen, in der Mara oft zu kurz kommen. Man kommt dem Fotoobjekt auch emotional näher, wenn man es nicht nur als potentielle Beute betrachtet, sondern versucht, die Charaktere der Tiere herauszuarbeiten.

Wenn man von Parfuri ein wenig nach Süden abschweift, also wirklich nur 30 km, dann kommt man an einen Abzweig, der rechts zu einem großen Wasserloch führt. In der Trockenzeit, sammeln sich hier Massen von Tieren, um zu trinken. Während unserer Reisezeit im April - einer Zeit des Überflusses - herrschte dort gähnende Leere. Aber um uns milde zu stimmen, tauchte ein großer Gepardenkater am Wegweiser auf und untersuchte diesen auf Markierungen von Artgenossen.

Während Katzen es einem leicht machen, sie ansprechend in Szene zu setzen, ist es meiner Meinung nach viel schwerer, die großen Pflanzenfresser so zu fotografieren, dass es nicht langweilig wird. Die schiere Größe der Tiere, die Textur der Haut, die sehr unterschiedlichen Gesichter, alt und jung, Weibchen und Männchen, das Verhalten der Individuen, aber auch das Miteinander sind Dinge, die ich versucht habe, in Bildern festzuhalten. Nicht alles ist geglückt, aber ein paar Dinge sind es schon.

Wenn ich mich entscheiden müsste, welche Regionen des Krüger Nationalparks ich besuchen sollte, dann würde meine Wahl immer wieder auf den Norden fallen. Die deutlich geringere Zahl von Besuchern, die viel attraktivere Vegetation, die malerische Landschaft, die großen Tierherden faszinieren mehr, als dass die selteneren Sichtungen von Raubtieren stören. Und wenn man dann das Glück hat, dass einem eine Großkatze über den Weg läuft, dann hat man sie zumeist für sich und muss sich mit der Kamera nicht eine Lücke zwischen 20 weißen SUVs suchen.

Wenn ich mich nicht entscheiden müsste, sondern genug Zeit zur Verfügung stünde, dann wäre es sicher schlau, den ganzen Park zu besuchen. Zum einen der Raubtiere wegen, aber auch, um alle Landschaften zu sehen, die der Park umfasst.

Was die Fototechnik angeht, so habe ich allein anhand der Metadaten meiner 6500 Aufnahmen schnell gemerkt, dass das 600er unumgänglich ist. Der Ausbau der Brennweite auf 840 mm mittels 1,4x Konverter ohne relevanten Qualitätsverlust ist unschlagbar. Zum Vergleich hatte ich diesmal auch das aktuelle 2,8/400er dabei und habe es mit 1,4x und 2x Konverter kombiniert. Qualitativ war die Kombination des 400ers mit dem 2x Konverter dem 600er mit 1,4x Konverter unterlegen. 400er mit 1,4x Konverter - also 4/560 - sind allerdings eine ausgezeichnete Kombination und wenn man überlegt, dass man dann ja auch noch die 2,8/400mm zur Verfügung hat, kann ich so manchen verstehen, der, sobald er die Entscheidung zwischen 400 und 600mm treffen muss, sich für die kürzere Brennweite entscheidet. Kameraseitiger Schwerpunkt und geringes Gewicht des aktuellen 400er sprechen ebenfalls für die kürzere Brennweite.

Zum ersten Mal dabei war auch das RF 100-500mm, das ich wie folgt zusammenfassen würde:

  1. Leicht und gut auf Wanderungen mitzunehmen

  2. Sehr effektive Bildstabilisierung mit der R5

  3. Tolle Schärfe und guter Kontrast

  4. Sehr universell einsetzbar mit hervorragender Bildqualität im Nahbereich

Der Unschärfebereich ist in meinen Augen die einzige relevante Schwäche. Mit einer größten Öffnung von 7,1 bei den oft eingesetzten 500mm ist allerdings auch nichts zu erwarten, das annähernd an die oben genannten Festbrennweiten heranreicht. Im Nahbereich kommt das nicht so sehr zum tragen, denn je größer der Abbildungsmaßstab, desto geringer die Tiefenschärfe. Sobald man aber größere Tiere fotografiert und ihnen vielleicht auch noch etwas Platz im Bildformat lässt, wird der Hintergrund schon sehr unruhig, sofern er nicht meilenweit entfernt ist. Aber ich vermute, dass viele sich eher fragen, ob sie ihr schweres 200-400er mit eingebautem 1,4er Konverter gegen das 100-500er eintauschen sollen. Das frage ich mich momentan auch, tendiere aber dazu, mein bewährtes 200-400er zu behalten, da die Blende 4 bei 400mm schon einen völlig anderen Bildeindruck macht und der eingebaute Konverter doch sehr praktikabel ist. Darüber hinaus hatte ich mit meinem 200-400 1,4x noch kein Schärfeproblem, wie es scheinbar viele andere schon erlebt haben und 5,6/560mm sind nicht mit 7,1/500mm vergleichbar. Ich sehe schon, ich werde beide behalten und sie danach auswählen, wie mobil ich auf der jeweiligen Tour sein muss.

Ich hoffe, dass ich Interesse an dem von Safaritouristen zu Unrecht stiefmütterlich behandelten Norden des Krüger Nationalparks geweckt habe und empfehle allen, die die Natur unmittelbarer als aus dem Auto heraus erleben möchten, mal eine der verschiedenen Wandertouren auszuprobieren.

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Peter Lindel Peter Lindel

Unvergleichlich - die Masai Mara.

Schon wieder? Ja. Warst Du nicht gerade erst dort? Doch, ja. Fährst Du alleine? Nein, mit meiner Frau. Fotogafiert die auch? Nein. Dann ist das doch total langweilig für sie, oder? Nein, sie ist eine leidenschaftliche Beobachterin und definitiv vernarrt in Elefanten und Flusspferde. Hmm...na dann viel Spaß. Danke, den werden wir haben.

Kursorische Wiedergabe eines Wortwechsels, der der Frage folgte, wohin ich denn im Januar fliegen würde, wenn ich schon nicht in den Winterurlaub führe.

Schon wieder? Ja. Warst Du nicht gerade erst dort? Doch, ja. Fährst Du alleine? Nein, mit meiner Frau. Fotogafiert die auch? Nein. Dann ist das doch total langweilig für sie, oder? Nein, sie ist eine leidenschaftliche Beobachterin und definitiv vernarrt in Elefanten und Flusspferde. Hmm...na dann viel Spaß. Danke, den werden wir haben.

Kursorische Wiedergabe eines Wortwechsels, der der Frage folgte, wohin ich denn im Januar fliegen würde, wenn ich schon nicht in den Winterurlaub führe.

Wir hatten Spaß, insbesondere meine Frau. Sie war regelrecht beseelt. Noch nie hatte sie das Jagdverhalten und das Familienleben der Großkatzen so miterleben dürfen, wie bei unserem diesjährigen Kurztrip in die Masai Mara. Und irgendwie beneide ich sie darum, dass sie völlig ohne Druck das Erlebte aufsaugen und genießen kann. Wenn man fotografiert, möchte man möglichst viele aussagekräftige, spektakuläre oder auch einfach nur schöne Bildern machen und das erzeugt schon einen gewissen Druck. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich diesen Druck nicht auch mag und ich könnte niemals ohne Kamera nach Afrika fahren. Aber die Vorstellung, nur offenen Auges zu beobachten und zu erleben, hat auch etwas sehr reizvolles.

Über die Reisebedingungen in Zeiten der Pandemie werde ich nichts mehr schreiben, denn es hat sich nichts geändert. Wichtig ist, dass man vor der Rückreise einen PCR-Test macht, der beim Erreichen des Flughafens in Nairobi nicht älter als 72 Stunden ist. Die Lufthansa will den zwar nicht und als vollständig geimpfte Person braucht man ihn auch nicht bei der Einreise nach Deutschland, aber ohne negativen PCR-Test lassen sie einen nicht ins Flughafengebäude.

Mein Frau und ich hatten denselben Guide, den ich bei meiner vorherigen Reise in die Mara hatte und wir waren mit ihm sehr gut beraten. Jonathan ist Masai und laut eigener Aussage in der Mara aufgewachsen. Er kennt jeden Stein und insbesondere jedes Loch, in das man bei seinen Offroad-Touren fahren könnte und war als ortskundiger, mit einem guten Auge ausgestatteter Fahrer unverzichtbar. Auch wenn man hin und wieder den Eindruck bekommen konnte, dass er nur dahin fuhr, wo auch er hin wollte und Ziele, die nicht ganz oben auf seiner eigenen Favoritenliste zu finden waren, ausgespart hat, so hat er doch mit einem beeindruckend scharfen Auge ein ums andere Mal für spektakuläre Sichtungen gesorgt.

Schon am Nachmittag des ersten Tages erfüllte sich der Wunsch, einmal Löwen bei der Jagd zu beobachten. Zwei Warzenschweine kamen den flach an den Boden gedrückt verharrenden Löwinnen zu nahe und als der Moment gekommen war, konnte eines entfliehen, das andere hingegen lief, von der oben abgebildeten Löwin verfolgt, der anderen, wartenden Jägerin direkt in die Arme. Was nun folgte, war nicht schön, aber visuell fesselnd und die Geräuschkulisse sehr beeindruckend. Dreizehn Jungtiere gesellten sich binnen kurzer Zeit zu den Alttieren und sorgten für sehr viel Bewegung.

Mein zweiter Wunsch, nämlich einmal ein Spitzmaulnashorn zu fotografieren, erfüllte sich leider nicht. Aber die folgenden Tage zeigten mir, dass jeder Besuch der Masai Mara anders ist und dass es nichts sinnloseres gibt, als zu versuchen, Fotogelegenheiten aus vergangenen Touren zu wiederholen. Meine erste Tour 2019 stand ganz im Zeichen der vielen Leopardensichtungen und irgendwie schwang bei der zweiten Tour in 2021 unterschwellig der Wunsch mit, dass sich das wiederholen möge. Natürlich hat es das nicht. Und wenn man nicht spätestens in den ersten Tagen einer solchen Fototour versucht, sich davon zu lösen, etwas Vergangenes wiederholen zu wollen, verbaut man sich viele gute Gelegenheiten. Glücklicherweise ist mir das 2021 gerade noch rechtzeitig gelungen, um nicht enttäuscht nach Hause zu fahren und im Januar diesen Jahres hatte ich mir selber ganz andere Ziele gesteckt. Es sollten andere Bilder werden, die das Gesamtportfolio der drei Touren ergänzen, aber nicht mit älteren Bildern konkurrieren sollten. Und das hat aus meiner Sicht ganz gut geklappt. Außerdem wollte ich, dass meine Frau einen möglichst umfassenden Eindruck davon bekommt, was in der Mara möglich ist. Das hat definitiv geklappt. Wie gesagt, sie war glücklich.

Eine nicht alltägliche Gelegenheit ergab sich, als wir beobachten konnten, wie das Junge der berühmten Leopardin Kaboso begann, die Randbereiche, insbesondere die Bäume zu erkunden, die die Senke einrahmten, in der die Mutter es bis dato versteckt gehalten hatte.

In der Durchsicht meiner bisherigen Bilder aus der Masai Mara fiel mir vor der Tour auf, dass, obwohl es genug Gelegenheiten gegeben hatte, die Löwen eigentlich zu kurz gekommen waren. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, es gäbe dort mehr Leoparden als Löwen. Dabei bieten Löwen, zumindest wenn sie wach sind, eigentlich fotografisch mehr, denn ihre Interaktion als Rudeltiere trifft genau einen Aspekt der Tierfotografie, den ich für sehr wichtig halte. Das Verhalten. Also kam mir Jonathans Affinität zu diesen Großkatzen sehr zu pass und es boten sich wirklich grandiose Möglichkeiten, das Rudelleben zu dokumentieren.

Wir konnten drei verschiedene Rudel beobachten und ein viertes zumindest zum Teil. An einem Tag haben wir vierzig Löwen gesehen - Jungtiere natürlich mitgerechnet. Die Jagd einer solitären Löwin auf eine Gruppe halbwüchsiger Warzenschweine führte uns vor, warum Leoparden ihre Beute sofort töten. Nicht, weil sie human wären, sondern weil die Beute sonst flüchten würde. Wenn sie das nicht täte, würde auch der Leopard seine Beutetiere bei lebendigem Leibe fressen. Wenn drei ausgewachsene Löwinnen die Beute am Boden halten, dann können zwei weitere schon mal anfangen zu fressen. Und das tun sie auch. Wir haben beobachtet, wie eine Löwin ein ausgewachsenes Warzenschein aus seinem Bau zog - und sich dabei ein paar ordentliche Schmisse im Gesicht zuzog - und, sobald das Tier für die anderen Rudelmitglieder erreichbar war, diese auch schon begannen, es vom Anus her auseinanderzunehmen. Die Bauchhöhle war schon weit offen, als man immer noch die Schreie des Schweins hören konnte.

Die größeren Jungtiere fraßen am Kadaver, den kleineren, die noch gesäugt wurden, brachte die Mutter Teile der Beute als Beikost. Interessant war auch, dass die Rudelführer nicht nur nicht mitfraßen, sondern parallel andere Beute jagten. Eine mögliche Erklärung ist wohl der zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes herrschende Überfluss an Beutetieren, der es nicht notwendig machte, dass die Männchen den Löwenanteil der Beute der Weibchen für sich beanspruchen mussten.

Dass Löwen aber auch mit ihren Artgenossen nicht zimperlich umgehen, sobald sie einem anderen Rudel angehören und die Reviergrenzen verletzen, konnten wir zwar nicht hautnah miterleben, das Ergebnis eines solches Kampfes fanden wir allerdings eines Morgens in der wie ausgestorben wirkenden Savanne.

Ein weiteres Highlight der Tour war ein verwaistes Leopardenmännchen, das von den Einheimischen den Namen Roho bekommen hat. Ein ganzer Tag war dafür eingeplant, ihn zu finden und nach Möglichkeit dabei zu fotografieren, wie er seiner bevorzugten Beute, den Mangusten nachstellt.

Den Morgen über hatten wir erfolglos nach Leoparden Ausschau gehalten, bis uns ein Funkspruch erreichte. Das Objekt unserer Begierde ruhe sich auf einem Erdhügel mitten in der Graslandschaft aus, nach dem es vorher einen erfolglosen Jagdversuch unternommen hätte. Als wir dort ankamen, lag der junge Leopard immer noch da und suchte mit den Augen seine Umgebung ab. Da aber in der Richtung, aus der wir gekommen waren, aus unserer Sicht nichts für ihn Jagdbares war, fuhren wir an ihm vorbei und warteten darauf, dass er seinen Ausguck in unsere Richtung verlassen würde. Und das tat er auch.

Wir platzierten uns hinter einem Bau, der sowohl von Zebramangusten, als auch von Löffelhunden bewohnt wurde und durch das Fernglas konnte man am Horizont soeben noch die sich bewegende Schwanzspitze des angespannten Leos erkennen. Kaum hatte ich mich im Auto auf den Boden gelegt und die Kamera im Türrahmen eingerichtet, startete er seinen Angriff. Zuerst geduckt, dann im lockeren Trab und schließlich nahm er richtig Fahrt auf. Der Löffelhund hatte ihn allerdings bemerkt und wartete mit seinem Abgang in die Tiefen des Baus aufreizend lange. Noch eine halbe Stunde lang versuchte der Leopard weit genug in die Gänge der Behausung vorzudringen, um einen der Bewohner zu fassen zu bekommen, aber es gelang ihm nicht. Er ging leer aus.

Die folgenden Tage waren geprägt von Löwensichtungen, aber nicht ausschließlich. Denn auch der im hohen Gras eher schwer zu entdeckende Serval tat uns mehrfach - ich meine fünfmal - den Gefallen, sich zu zeigen. Allerdings waren drei Individuen sehr scheu und reagierten auf unsere Annäherungsversuche mit sofortiger Flucht oder entfernten sich immer so weit, dass an Fotos nicht mehr zu denken war.

Zwei von ihnen verhielten sich dafür sehr beobachtungsfreundlich und ließen über mehrere Minuten zu, dass wir ihnen auf ihren Streifzügen durch das Gras und der Suche nach Beute folgten.

Die Katzen.

In der Mara sind es immer die Katzen. Jede andere Tierart muss man sich hart erkämpfen. Nicht, dass es sie nicht geben würde, aber die Guides sind so auf die Großkatzen fixiert, dass sie mit unverholenem Unverständnis reagieren, wenn man einmal in Ruhe Vögel, Elefanten, Hippos oder sogar Hyänen beobachten möchte. Auf der anderen Seite gibt es wohl keinen Ort auf dem afrikanischen Kontinent, der spektakulärere und unmittelbarere Erlebnisse mit den Katzen bietet. Also sollte man das auch ausnutzen.

Unvergleichlich ist die Mara, zumindest was die Möglichkeit angeht, Katzen in Action zu fotografieren. Die Landschaft ist einmalig und mit ihren sanften Hügeln, den vielen von Büschen und Bäumen gesäumten Flussläufen und den ausgedehnten Savannengrasflächen nicht mit den Regionen zu vergleichen, die ich bislang besucht habe. Unvergleichlich muss aus meiner Sicht aber auch heißen, dass der Vergleich mit beispielsweise den Wüstenregionen im südlichen Afrika und auch mit den subtropischen Gebieten im Norden Südafrikas und Botswanas nicht zu einer eindeutigen Entscheidung für die eine oder andere Gegend führt. Die zerklüfteten Landschaften aus Sandsteinfelsen, gespickt mit Baobabs und großen Galeriewäldern findet man in der Mara nicht. Den weiten Blick über die Graslandschaft, der die Einschätzung der Wetterlage in allen Himmelsrichtungen ermöglicht, habe ich bislang nur in der Mara erlebt. Wer bislang gewohnt war, auf eigene Faust mit dem Mietwagen loszufahren, wird in der Mara schnell feststellen, dass ein erfahrener Guide und ein unverwüstlicher Land Cruiser unabdingbar sind, wenn man die Highlights der Mara erleben möchte. Und auch wenn man am Abend mit dem Fahrer seine Wunschziele für den nächsten Tag bespricht, ist es schon etwas anderes, wenn die Strecke komplett in den eigenen Händen liegt. Wir freuen uns jedenfalls schon wieder darauf, im Rahmen einer Selbstfahrer-Tour alle Entscheidungen, darüber, wo man entlang fährt, wie lange man verweilt, wann man pausiert und wann man morgens startet, mit niemandem besprechen zu müssen. Wahrscheinlich wird es im Krüger oder dem Kgalagadi nicht so beeindruckende Löwen- und Leopardenerlebnisse geben, wie in der Mara. Aber ein Tier selber zu entdecken, sein Verhalten vorauszusehen, seinen Laufweg richtig zu antizipieren und trotz der Fotografie aus dem Auto eine Position zu finden, die Augenhöhe zumindest möglichst nahe kommt, ist schwer zu toppen.

Zum Abschluss möchte ich anhand einiger Bilder noch ein bisschen technisch werden.

Hier stellen sich zwei Probleme und zwar Belichtung und Aufnahmewinkel. Was die Belichtung angeht, so ist es mit dem Dynamikumfang der 1Dx und der R5 ungestraft möglich, sich nach der Sonne zu richten. Diese sollte nach Möglichkeit nicht ausfressen und eine manuelle Belichtung ermöglichte mir hier vier Blenden unterzubelichten, um die Farbe im Sonnenball zu erhalten und den Löwen im Nachhinein aufzuhellen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zuviel aufhellt, da sonst ein sehr unnatürlicher Bildeindruck entsteht.

Entgegen meinem üblichen Bestreben, aus einer möglichst tiefen Perspektive zu fotografieren, wählte ich hier einen etwas höheren Standpunkt. Einerseits sollte der Horizont nicht durch den Kopf des Löwen verlaufen, andererseits wollte ich die rötliche Mähne vor dunklem Hintergrund haben.

Hier stellen sich zwei Probleme und zwar Belichtung und Aufnahmewinkel. Was die Belichtung angeht, so ist es mit dem Dynamikumfang der 1Dx und der R5 ungestraft möglich, sich nach der Sonne zu richten. Diese sollte nach Möglichkeit nicht ausfressen und eine manuelle Belichtung ermöglichte mir hier vier Blenden unterzubelichten, um die Farbe im Sonnenball zu erhalten und den Löwen im Nachhinein aufzuhellen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zuviel aufhellt, da sonst ein sehr unnatürlicher Bildeindruck entsteht.

Meine Lieblingsaufnahme von den Löwen, da ich das weiche morgendliche Gegenlicht sehr mag und die Szenerie an eine Lehrerin erinnert, die in der ersten Stunde ihre Schüler nicht im Griff hat: einige machen, was sie wollen, nur einer hört zu und zwei kommen zu spät. Minimale Überbelichtung von + 0,33 EV, Schnitt ins 16:9 Format bei kompletter Bildbreite. Der Schlüssel bei solchen Aufnahmen ist es, draufzuhalten und wach zu bleiben. Die Positionierung der Tiere ändert sich ständig und zwei weitere Aufnahmen dieser Szene landeten sofort im Papierkorb, weil die Löwin nach unten oder auch hinten blickte.

Der nächste Blogeintrag wird die Parfuri-Region im Norden Südafrikas zum Thema haben und es würde mich freuen, wenn Euch dieser Beitrag so gefallen hat, dass Ihr dann wieder reinschaut. Bis dahin!

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Peter Lindel Peter Lindel

Im Oktober an den Darß - auf der Suche nach dem besonderen Licht

Im Herbst an den Darß zu fahren, zählt bei vielen Naturfotografen zu den festen Programmpunkten eines Jahres. Entweder wegen der Hirschbrunft, der Kraniche oder wegen beidem. Ich muss zugeben, dass mich die Möglichkeit, Kraniche zu fotografieren, nicht dazu bewegen könnte, die lange Fahrt auf mich zu nehmen. Viele große, graue, in der Regel laut trompetende Vögel, deren Eleganz und Schönheit oft besungen wurde, sich mir aber nicht erschließt. Was findet Ihr am Kranich? Seht Euch doch mal die Blaumeise an. Das ist eine Schönheit! Oder das Rotkehlchen - ein wirklicher Hingucker!

Im Herbst an den Darß zu fahren, zählt bei vielen Naturfotografen zu den festen Programmpunkten eines Jahres. Entweder wegen der Hirschbrunft, der Kraniche oder wegen beidem. Ich muss zugeben, dass mich die Möglichkeit, Kraniche zu fotografieren, nicht dazu bewegen könnte, die lange Fahrt auf mich zu nehmen. Viele große, graue, in der Regel laut trompetende Vögel, deren Eleganz und Schönheit oft besungen wurde, sich mir aber nicht erschließt. Was findet Ihr am Kranich? Seht Euch doch mal die Blaumeise an. Das ist eine Schönheit! Oder das Rotkehlchen - ein wirklicher Hingucker! Aber diese dünnbeinigen, immer affektiert schauenden Hippen sind nun wirklich jenseits von attraktiv. Und die Hirschbrunft - wo auch immer - wirkte bislang auch noch nie so anziehend, dass ich dafür eine Reise - und sei es auch nur eine kurze - unternommen hätte. Recht verständnislos habe ich in der Vergangenheit in den Foren und sozialen Medien die Posts von Fans der Hirschbrunft angesehen, die ihre Vorfreude auf die bevorstehende Hochsaison testosterongetriggerter, röhrender Teilzeitgeweihträger kaum noch im Zaum halten konnten. Am Tier kann es doch nicht liegen, dass alle so einen verklärten Blick bekommen, wenn sie davon berichten, dachte ich. Es muss etwas anderes sein, dass so sensationell ist, und zwar sowohl beim Kranich, als auch beim Rothirsch.

Also habe ich im Rahmen eines zweiwöchigen Urlaubs mit Frau und Tochter versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Schon in der Vergangenheit haben wir häufig Urlaub im Fischland Zingst/Darß gemacht, allerdings bislang nie im Herbst. Vom Licht des späten Septembers und frühen Oktobers versprach ich mir viel. Denn selbst wenn mich der Zauber von Hirsch und Kranich nicht erreichen sollte, so war eines doch gewiss: der Darßwald im Nebel, der Sonnenuntergang über der möglichst unruhigen Ostsee, wie auch Wildschwein und Fuchs würden mich sicher begeistern.

Ich habe nicht einen Fuchs fotografiert. Und auch nur einen aus der Ferne gesehen. Wildschweinaufnahmen waren mir auch keine wirklich schönen vergönnt und mich beschlich auf meinen Fahrradtouren durch den Wald immer mehr das Gefühl, dass irgendjemand wollte, dass ich mich auf Hirsch und Kranich einlassen möge. Ich neige leider dazu, das, was ich schon einmal vernünftig fotografiert habe, erneut zu fotografieren und nur selten kommt dabei wirklich etwas Neues heraus. In der Regel sind die Aufnahmen beim zweiten schlechter als beim ersten Mal und erst nach vielen Versuchen und einer Zeit des "Sackenlassens" kommen zum Portfolio wirklich bereichernde Bilder dazu.

Wenn man aber bestimmte Spezies an bestimmten Hotspots noch gar nicht fotografiert hat, steht man den Möglichkeiten vor Ort nicht nur unbedarft, sondern auch unvoreingenommen gegenüber. Auf keinen Fall darf man versuchen, dieselben Bilder zu machen, wie andere. Ich habe die beste Erfahrung damit gemacht, einfach drauflos zu fotografieren und auf die kreativen Momente zu hoffen, die sich in der Vergangenheit immer mal wieder eingeschlichen haben.

Allerdings sollte sich in meinen Augen auch die kreative Naturfotografie an der Realität orientieren. Sie verfehlt ihren Zweck, wenn die Verfremdung so stark ist, dass man nicht mehr erkennen kann, wo die Aufnahme entstanden ist. Wenn der Ort der Aufnahme keine Rolle mehr für das Motiv spielt, dann kann man sich den mitunter weiten Weg sparen. Es sollte also noch erkennbar sein, dass der Hirsch nun mal nicht im heimischen Wildpark röhrt und auch nicht in der Lausitz, sondern im Schilf der Nationalpark Kernzone am Darßer Ort steht. Nun ist die Kulisse, vor der die Hirschbrunft im Fischland stattfindet, so typisch und einmalig, dass man vielleicht einmal versuchen sollte, lauter Bilder zu machen, denen man ihren Entstehungsort nicht ansieht. Eine Aufgabe für einen zukünftigen Besuch...

Was den Hirsch als Fotoobjekt angeht, fühlte ich mich nach den zwei Wochen sowohl bestätigt als auch widerlegt. Und das liegt vor allem an der Landschaft, die nun wirklich überhaupt nichts mit der üblichen Kaminzimmerromantik zu tun hat, mit der die Hirschbrunft so häufig vergesellschaftet ist. Meeresrauschen, Schilfgürtel, Morgendunst, überfliegende Seeadler und Kolkraben - um nur einige Beispiele zu nennen - sind Zutaten, die am Darß zu einem Naturerlebnis beitragen, das seine Wirkung auch auf mich nicht verfehlt hat. Die Mischung aus Andacht und Begeisterung, die so viele Naturliebhaber bei der Hischbrunft ergreift, kann ich allerdings immer noch nicht nachvollziehen. Es ist, wie so oft, ein Zusammenspiel aus optischen, olfaktorischen und akustischen Reizen, das das Erlebnis ausmacht und einen immer wieder auf den Auslöser drücken lässt.

Letztlich ist es vermutlich nicht so entscheidend, ob das vorhandene Motiv nun den eigenen Vorlieben entspricht oder nicht. Wenn man sich darauf einlässt und das Licht mitspielt, kommt der Appetit beim Essen.Was die Landschaftsfotografie angeht, so ist diese bei meinen bisherigen Besuchen immer zu kurz gekommen. Oft bin ich durch den Wald geradelt und habe gedacht, wie lohnend und reichhaltig die Motive dort doch sind, nur angehalten habe ich nie. Irgendeine tierische Attraktion diente mir als ausgewiesenem Tierfotografen immer als Ausrede dafür, mich nicht zu intensiv mit der Landschaftsfotografie zu beschäftigen. Diesen Fehler wollte ich dieses Mal nicht wiederholen und so trieb es mich ein ums andere Mal insbesondere in den Abendstunden an den Weststrand, wo ich versucht habe, das zu fotografieren, was mir ins Auge fiel. Sicher sehen die höheren Weihen der Landschaftsfotografie anderes aus, aber zumindest versuchen wollte ich es einmal.

Kraniche? Ja, Kraniche gab´s auch. Zehntausende. Und genau diese große Zahl macht auch den Reiz dieses Vogels aus. Der einzelne Kranich ist - zumindest für mich - eher unattraktiv. Die große Anzahl, sei es auf offenem Feld oder vor pittoreskem Abendhimmel, ist beeindruckend. Bei günstigem Wind fliegen die Vögel in perfekten Formationen in hoher Geschwindigkeit und scheinen die ebenfalls schnell vorbeiziehenden Wolkenformationen zu jagen.

Zudem konnte ich bei meinen Versuchen, die Kraniche zu fotografieren, auch noch etwas über die Technik der Canon EOS R5 lernen.

  1. Der Augen-Autofokus funktioniert auch bei Blende 8 und 1200mm Brennweite

  2. Die Kombination aus kamerainternem Bildstabilisator und IS des Objektivs erlaubt es, sitzend und die Kamera-Objektiv-Kombination auf den eigenen Knien abstützend, ohne Weiteres auch mit 600mm plus 2fach Konverter scharfe Bilder zu machen.

  3. Die Optik des 600er IS II ist so gut, dass auch mit dem optionalen internen 1,6er Crop der R5 noch wirklich sehr brauchbare Aufnahmen möglich sind. Hauptgrund dafür sind die vielen Megapixel, die auch bei 1,6er Crop noch über 20 Mp liegen und der sensorbasierte AF, der genauer ist, als der der DSLR.

Was würde mich dazu bringen, ein zweites Mal im Herbst an den Darß zu fahren? Der Wald, die Küste, das Licht auf jeden Fall. Die Hirsche? Bei den Hirschen fühlte ich mich, je länger ich vor Ort war, mehr und mehr im Thema, konnte mich darauf konzentrieren und war bei der Sache. Ich würde sie sicher besuchen, wenn ich sowieso schon einmal da wäre.

Die Faszination des Kranichs war allerdings für meinen Geschmack allzu flüchtig. Wenn ich von einer Fototour nach Hause komme, möchte ich von dem Erlebten berichten wollen und nicht schon an das nächste Motiv denken oder gar während des Fotografierens ein Motiv herbeisehnen, das mir mehr zusagt. Die Kraniche haben ihre Wirkung auf mich leider zum wiederholten Male verfehlt.

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Peter Lindel Peter Lindel

Masai Mara 2021 - ein Reisebericht, ein Technikbericht

Reisen nach Afrika in Zeiten der Corona-Pandemie sind nicht so ohne weiteres möglich. Im Moment stellt das Hauptproblem die 14 tägige Quarantäne dar, in die man sich nach der Rückkehr begeben muss. Zumindest wenn man in die Hochinzidenzgebiete des südlichen Afrika fahren möchte. Und wenn man der arbeitenden Bevölkerung angehört, muss man die Quarantäne direkt mit einplanen und somit werden aus zwei Wochen direkt vier. Aus unterschiedlichen Erwägungen ist das nicht praktikabel.

Reisen nach Afrika in Zeiten der Corona-Pandemie sind nicht so ohne weiteres möglich. Im Moment stellt das Hauptproblem die 14 tägige Quarantäne dar, in die man sich nach der Rückkehr begeben muss. Zumindest wenn man in die Hochinzidenzgebiete des südlichen Afrika fahren möchte. Und wenn man der arbeitenden Bevölkerung angehört, muss man die Quarantäne direkt mit einplanen und somit werden aus zwei Wochen direkt vier. Aus unterschiedlichen Erwägungen ist das nicht praktikabel.

Aber es gibt ja noch Kenia. Dort hat konsequentes Management dazu geführt, dass die Inzidenz zumindest bis vor ein paar Wochen soweit unten gehalten werden konnte, dass das Land nicht mehr zu den Hochrisikogebieten gehört. Ein höchstens 72 Stunden alter PCR-Test reicht, um hinein zu kommen und ein eben solcher, um wieder hinaus zu gelangen. Also wurde es in diesem Jahr Kenia und nicht die Kalahari, wie eigentlich angedacht. Aber meinem Sohn, dessen Abi-Geschenk diese Reise war, war es natürlich auch Recht.

Also fuhren wir mit einem aktuellen, negativen PCR-Test, den wir ordnungsgemäß vorher auf der Website des Gesundheitsministeriums Kenias hochgeladen und dafür einen Barcode erhalten hatten, einem online beantragten Touristen-Visum und viel Fotogepäck am 1. Juli für 12 Tage nach Kenia, wovon wir allein neun Nächte im Mara Eden Safari Camp in der Masai Mara verbrachten. Der Flug mit der Lufthansa lief pünktlich und reibungslos ebenso wie der Transfer vom Flughafen Jomo Kenyatta zum Hotel Rudi. Von dort ging es am nächsten Morgen bereits um 07:30 Uhr weiter in die Mara. Nicht, wie meistens, mit dem Flieger vom Wilson-Airport aus, sondern mit dem Kleinbus. Der Flug wäre zwar schneller und vielleicht auch bequemer gewesen, aber auf die Unternehmen, die die Verbindungen direkt in die Mara anbieten, ist in Pandemiezeiten nicht wirklich Verlass. Oft fliegen sie gar nicht, weil es ihnen zu wenig Fluggäste sind oder sie lassen einen horrende Summen für Übergepäck bezahlen, was bei Fotografen ja fast immer das Problem ist. Oder man muss kurzfristig ein zusätzliches Ticket kaufen, um sein Übergepäck zu rechtfertigen. So ist es mir 2019 ergangen.

Diesmal also mit dem Auto. Sehr freundlicher Fahrer, zügige Fahrt von 4,5 Stunden Dauer und Ankunft am Gate gegen Mittag. Dort erwartete uns unser Fahrer Jonathan, der in der Mara aufgewachsen war und das Reservat wie seine Westentasche kannte. Die Parkgebühr wurde für die kommenden zehn Tage bezahlt und stolz präsentierte uns Jonathan sein Offroad-Permit. Dessen Bedeutung ist nicht hoch genug einzuschätzen, da es einem erlaubt, wann immer notwendig, die Wege zu verlassen und dem Fotoobjekt der Begierde durch die Savanne zu folgen. Gültigkeitsdauer 10 Tage. Passte genau.

Die nächsten 10 Tage verbrachten wir im Mara Eden Safari Camp direkt am Mara River. Ein wunderbares Zeltcamp mit dreizehn luxuriösen Zweierzelten. Und abgesehen von den ersten zwei und den letzten zwei Tagen waren wir die einzigen Gäste. Dies lag zum einen an der Vorsaison, zum anderen aber auch und in erster Linie an der pandemiebedingten, deutlich geringeren Anzahl der Gäste. Abgesehen davon, dass wohl die Ruhe im Camp dazu führte, dass sich eines Mittags eine schwarze Mamba vor unseren Zelteingang verirrte, hatten wir von der geringen Auslastung nur Vorteile. Wir bekamen das einzige Zelt mit zuverlässiger WLAN-Verbindung und dauerhaft Strom bis in die Nacht. Wir hätten uns sogar etwas besonderes zu essen wünschen können, aber wir haben es darauf ankommen lassen und wurden nicht enttäuscht. Der Koch war ein Suppen-König! Selten so gute Suppen gegessen. In den folgernden Tagen lief immer das gleiche Ritual ab: 05:15 Uhr wecken durch einen Camp-Mitarbeiter, ein schneller Kaffee im Speisezelt und dann mit der Fotoausrüstung in der Hand und auf dem Rücken hinauf zum Parkplatz am Campeingang, wo 05:45 Uhr der Gamedrive begann. Gegen Mittag war man wieder im Camp und der zweite Drive begann um 15:30 Uhr am Nachmittag und dauerte bis nach Sonnenuntergang. An zwei Tagen haben wir sogenannte "long days" eingeschoben,an denen wir den ganzen Tag unterwegs waren und so auch entferntere Regionen der Mara erreichen konnten.

Im folgenden werde ich mich an den entstandenen Aufnahmen entlanghangeln. Einerseits, um Euch eine detaillierte Beschreibung aller Safaritage zu ersparen. andererseits, um speziellen, entscheidenden Tiersichtungen das Gewicht zu verliehen, das sie verdienen. Eine gewisse Chronologie bleibt allerdings erhalten und darüber hinaus wird es sich nicht vermeiden lassen, dass ich auf die Vor- und Nachteile der spiegellosen Canon EOS R5 im Gegensatz zur Canon EOS 1Dx Mk III eingehe. Ja, es gibt auch Nachteile, die in letzter Zeit irgendwie nicht mehr erwähnt werden, wo doch alles spiegellos, Freude und Sonnenschein ist. Aber dazu später.

Ein zentrales Vorhaben, das es zu verwirklichen galt, war die Fotografie aus möglichst niedriger Perspektive. Was hierzulande kein Problem darstellt, ist in der Gegenwart potentiell gefährlicher Großsäuger oft ein Problem. Die Safariunternehmen haben, dem Wunsch vieler Fotografen folgend, entweder die Türen auf einer oder auch auf beiden Seiten, je nach Typ, herausgebaut und mit einem Vorhang versehen oder gleich ganz weggelassen. Das ermöglicht zumindest mit einem gehenden Löwen die Fotografie auf Augenhöhe. Manche Autos sind darüber hinaus sogar mit einer Platte in Wagenbodenhöhe ausgestattet, auf der ein Stativkopf montiert werden kann. Damit man zum liegen ausreichend Platz hat, werden alle Sitze bis auf die letzte Sitzreihe demontiert und aus Gründen der Bequemlichkeit eine Matratze auf den Wagenboden gelegt. So ist das Sitzen während der Fahrt auch über holprige Straßen ausreichend bequem und man liegt problemlos auf dem Bauch, wenn man aus der geöffneten oder demontierten Tür fotografiert. Unser Auto hatte allerdings nur zwei Sitzreihen für die Fahrgäste hinter dem Fahrer, was bei zwei recht großen Personen wie meinem Sohn und mir - 1,95 b.z.w. 1,90 m Körperlänge - zu Platzproblemen führte und den ein oder anderen Lacher bei den Insassen vorbeifahrender Auto verursachte, die manchmal nur vier Füße und Unterschenkel über Kreuz in die Luft ragen sahen. Man muss also konstatieren, dass ein längerer Wagen besser gewesen wäre. Und eine Tür auf beiden Seiten hätte auch den Vorteil gehabt, dass man nicht sich schneller am Ort des Geschehens in Stellung hätte bringen können und den Wagen nicht immer erst mit der linken Seite in Richtung Fotobjekt hätte ausrichten müssen.

Mein Vorhaben, möglichst auf Augenhöhe zu fotografieren, wurde durch die Tatsache erschwert, dass die Wanderung der Gnus noch nicht begonnen hatte, das Grasland der Mara noch nicht abgefressen und deshalb noch sehr hoch war und insbesondere alles, was kleiner als eine mittlere Antilope war - zum Beispiel eine Thomsongazelle - eigentlich immer irgendetwas vor der Nase hatte. Aber aufgeben war keine Option und viele Aufnahmen wurden durch eine Unzahl von Versuchen. unter anderem auch oft mit manueller Scharfeinstellung, dann doch möglich. Außerdem ist zumindest aus meiner Sicht ein Bild von einem Serval, der im hohen Gras steht, auch mit einigen Halmen davor immer noch um Längen reizvoller, als die Perspektive von schräg oben.

Während um uns herum aus vielen Auto unablässig das Rattern der Kameras zu hören war und eigentlich kaum einer sich die Mühe machte, die durchaus vorhandene Möglichkeit zu nutzen, sich in eine tiefere Position zu begeben, versuchten mein Sohn und ich, sowohl den Fahrer so zu dirigieren, dass der Wagen nach Möglichkeit in einer Senke stand, als auch unter Ausnutzung der offenen Tür die Perspektive zu verbessern. Hin und wieder waren sogar verständnislose und etwas mitleidige Kommentare von einigen Fotografen zu vernehmen, aber interessiert hat uns das nie. Denn die Ergebnisse waren so, wie wir uns das vorgestellt hatten.

Neben dem Wunsch, die "Zoo-Perspektive" zu minimieren, waren natürlich insbesondere die unterschiedlichen Spezies der Katzen und Großkatzen unser Hauptziel. Das geht wohl fast allen Besuchern der Masai Mara so. Löwen, Leoparden und Geparden wollten wir in möglichst bestem Licht und natürlich auch spektakulär fotografieren. Jagd, Kampf, Paarung, Interaktion und Familienleben wollten wir vor die Linse bekommen. Einiges ist uns gelungen, aber auch vieles nicht. Aber wenn man sich überlegt, dass unzählige Wildlife-Fotografen schon an unzähligen Tagen unzählige Bilder in der weiten Graslandschaft gemacht haben, so waren wir doch am Ende mit unserer Ausbeute sehr zufrieden. Sicher, auch das Naturerlebnis zählt, aber ein Tierfotograf, der am Ende einer Tour nichts Zählbares auf den Chip gebannt hat, bleibt doch eher unbefriedigt. Aber insbesondere die Leopardensichtungen und eine Hyänenjagd ermöglichten uns nicht nur Einblicke in das soziale Miteinander der Tiere, sondern auch einige interessante Aufnahmen.

Auch wenn sowohl mein Sohn als auch der Fahrer meinem Wunsch, doch auch mal einen Vogel zu fotografieren, eher Unverständnis entgegenbrachten, so ist mir doch die eine oder andere, wenn auch eher dokumentarische Aufnahme, der Vogelwelt gelungen.

Um auch etwas Unerfreuliches zu erwähnen, sollte ich auf die durch die Ranger geplant gelegten Brände hinweisen, die einige Tage lang zu Problemen führten. Abgesehen von dem allgegenwärtigen Geruch nach verbranntem Savannengras und dem mitunter dichten Qualm, wurde uns an einem Abend im Halbdunkel der geplante und direkte Weg zum Camp abgeschnitten. Ohne unseren Fahrer wären wir vielleicht nicht verloren gewesen, aber wir hätten niemals ins Camp zurückgefunden. Zum einen, weil die Sicht sehr eingeschränkt war und zum anderen, weil wir den Weg querfeldein nicht gefunden hätten. Unser Guide - in der Mara geboren und aufgewachsen - blieb aber grundentspannt, auch als er feststellte, dass er über den noch heißen Boden nicht fahren konnte. Er fand einen Weg durch das Buschwerk und kam nur mit 15 Minuten Verspätung im Camp an. Sehr beeindruckend und noch ein Argument für das Offroad-Permit. Der Grund für das Abbrennen ist laut Parkverwaltung, dass man den Bewuchs mit jungem, frischem Gras beschleunigen will, welches wiederum die kleinen Antilopenarten am Leben erhalten soll. Allerdings wird der Tod unzähliger, vor allem kleiner und kleinster Lebewesen in Kauf genommen. Uns leuchtete das nicht ein, zumal die Migration der Gnus vor der Tür stand und diese sich von dem Gras ernähren.

Unser Fahrer war nicht nur herausragend im Aufspüren von Fotomotiven, er bot uns auch Einblicke in die Art und Weise, wie er die unterschiedlichen Aspekte seiner Arbeit organisierte. Wenn am nächsten Tag eine lange Tour geplant, der Tank aber fast leer war, dann telefonierte er kurz und wo eben noch eine Leopardin den Fluss gekreuzt hatte, erschien kurz darauf ein Moped, besetzt mir zwei Personen und beladen mit einem beachtlich großen Dieselkanister. Die Betankung erfolgte unmittelbar und die Aufgabe der zweiten Person war nur, den Trichter in Position zu halten, über den der Treibstoff in den Tank floss. Effektiver Pragmatismus. Als wir durch einen Steinschlag Bremsflüssigkeit verloren, organisierte er unaufgeregt nicht nur einen Ersatzwagen, sondern auch, dass die Mechaniker in diesem mitfuhren, um vor Ort die Reparatur vorzunehmen. Danach wurde wieder getauscht.

Neben dem puren Genuss der Reise mit meinem Sohn in die Landschaft und zu den Tieren, die uns beide so sehr faszinieren, diente die Fahrt auch dazu, die Praxistauglichkeit der spiegellosen Canon EOS R5 im Vergleich zu der DSLR Canon EOS1Dx MK III zu testen. Die DSLR hatte in der Vergangenheit schon häufig genug bewiesen, dass sie ein brauchbares Konzept verkörpert, mit dem ich die Fotos verwirklichen kann, die mir vorschweben. Also was ist an der R5 wirklich besser? Und viel wichtiger war die Frage, ob eine Spiegellose in der Lage sein würde, mich so zu überzeugen, dass ich die DSLR zuhause lassen oder mir gar ein Superteleobjektiv zulegen würde, das nur noch an die R und nicht mehr an das EF-Bajonett passt. Die Bildqualität der R5 passt auf jeden Fall. Und sie ist bis ISO 800 auch deutlich besser, als die der 1Dx III. allein schon wegen der enormen Auflösung in Verbindung mit der Dynamik. Insbesondere in Afrika, wo man meistens mit ausreichend Licht fotografiert und niedrige ISO-Einstellungen verwenden kann. Sobald man allerdings die Grenze von ISO1600 überschreitet, wird zumindest der Aufwand in der Nachbearbeitung deutlich höher. Über diesen Wert kann die 1Dx MK III nur müde lächeln. ISO 4000 ist wirklich kein Thema. Darüber muss man in der EBV dann auch intensiver zu Werke gehen, auch wenn sich bis ISO 8000, je nach Motiv, doch noch tolle Ergebnisse erzielen lassen.

Das Fotografieren mit elekronischem Sucher hat aus meiner Sicht drei Vorteile und zwei Nachteile.

Vorteil 1

Ich sehe im Sucher, ob meine Belichtung korrekt ist.

Vorteil 2

Der Sucher fungiert bei wenig Licht wie ein Restleichtverstärker und ermöglicht bei wenig Umgebungslicht eine viel bessere Beobachtung, als der optische.

Vorteil 3

Ich kann die Dioptriekorrektur zur Bildbetrachtung im Sucher nutzen und brauche dafür keine Brille

Nachteil 1

Bei Serienbildern und maximaler Wiederholungsrate des Suchers habe ich trotzdem eine Darstellung des Geschehnisse mit Verzögerungen und kleinen Unterbrechungen.

Nachteil 2

Bei viel Licht und hohem Kontrast gibt der Sucher die Szenerie abgedunkelt und vor allem nicht mehr farbgetreu wieder, da er nicht die Fähigkeit des menschlichen Auges nutzt, was der optische selbstverständlich tut.

Was schwerer wiegt, hängt von der Situation und von der Art des Fotografierens ab. Ich habe den optischen Sucher der DSLR nach längerer Zeit des Fotografierens mit der R5 immer als erholsam empfunden.

Die grundsätzliche Farbwiedergabe ist bei beiden Kamera sehr ähnlich. Ich habe bei beiden Gehäusen meine Standardwerte für Weißabgleich, Aufnahmeprofil und Farbraum eingestellt und die Nachbearbeitung läuft im Grunde bei beiden Kameras ähnlich ab. Hier also keine Überraschungen. Die maximale Auslösezahl von 10 Bildern pro Sekunde unter Nutzung des mechanischen Auslösers bei der R5 reicht eigentlich fast immer und was besonders erwähnenswert ist: mit dem elektronischen Auslöser trat der gefürchtete Rolling-Shutter-Effekt fast nie auf. Auch wenn eine Antilope frontal auf mich zugerannt kam, konnte ich den elektronischen Auslöser nutzen und hatte kein verzogene Wiedergabe des Hauptobjektes. Einzig ein Mitzieher mit einer parallel zur Kamera laufenden Gruppe von Gazellen erzeugte im Hintergrund verbogenen Bäume. Dass man den elektronischen Auslöser auch bei Tieren in schneller Bewegung nutzen kann, hatte ich schon bei mäuselnden Füchsen im Dortmunder Norden bemerkt.

Die Performance des Autofocus, dessen Grundeinstellmöglichkeiten sich im Laufe der Modelle glücklicherweise wieder von 6 auf 4 reduziert haben, würde ich bei Nutzung des Augen-AF mal als zweigeteilt bezeichnen. Und zwar interessanterweise unterteilt nach Spezies: Vögel jeder Art erfasst die R5 in unglaublicher Schnelligkeit, Genauigkeit und Konstanz. Insbesondere, wenn das Federkleid nicht zu viele Unregelmäßigkeiten und Schattierungen aufweist. Und der Schnabel horizontal ausgerichtet ist. Sobald allerdings ein Adler einen Balzruf ausstößt und den Kopf nach oben wirft, irritiert das häufig den Augen-AF und er verliert die Orientierung. Das war aber auch das einzige, reproduzierbare Szenario, bei dem der Augen-AF Probleme bekam, die ihn schlechter machten, als den AF der DSLR. Viele Aufnahmen von Vögeln aus nächster Nähe waren nur mit dem verlässlichen Augen-AF möglich.

Ein gänzlich anderes Bild ergab sich allerdings bei den Säugetieren und ich kann nur hoffen, dass der laut Werbung ja lernende AF hier noch einiges dazulernt. Die Augen eines Geparden wurden in der Hälfte der Fälle nicht erkannt. Bei Löwen lag die Fehlerquote bei immerhin noch 30%. Bei Leoparden irgendwo dazwischen. Möglicherweise erkennt das Modul einfach nicht, ob es einen Fleck oder ein Auge vor sich hat und vertut sich. Was dafür spricht, ist die bessere Trefferanzahl bei Löwen. Bei Hundeartigen oder zumindest bei Tieren, deren Gesichter denen von Hunden ähneln, war die Performance wieder viel besser. Die Trefferquote lag insbesondere bei Hyänen bei annähernd 90%.

Bei jeglicher Form von Antilopenartigen, aber auch Giraffen, Elefanten, Reptilien und Flusspferden ist der Augenautofocus vollkommen überfordert und nicht nutzbar. Dass ich die Kamera trotzdem fast zu gleichen Teilen wie die 1Dx eingesetzt habe, liegt an der hervorragenden Bildqualität und der Tatsache, dass ich, durch die Aktivierung des Augen-AF über die Sterntaste an der Kamerarückseite, diesen nur bei den Spezies genutzt habe, bei denen er gut funktioniert hat. Ansonsten Servo-AF über den Auslöser und AF-ON Taste auf AF-STOP umgewidmet, wie ich das schon immer mache. Viele empfehlen ein andere Belegung, aber jeder wie er es am besten kann.

Griffigkeit und Tempo des AFs sind bei der 1Dx MK III ebenfalls besser und ich würde bei einer sich ankündigenden, schnellen Bewegung eines Säugetiers auf mich zu immer die DSLR nehmen. Wenn es sich um einen Vogel handelt, hat sich das AF-System der R5 bereits bewährt und ich würde diese vorziehen.

Akkulaufzeit? Kein Vergleich. Trotz angesetzten Batteriegriffes, konnte ich mit der R5 30 % der Bilder machen, die mit einer Akkuladung und der 1Dx MK III möglich waren. Allerdings muss man fairerweise auch sagen, dass ich auch nach intensiven Tagen abends niemals weniger als 20% Restkapazität an beiden Akkus der R5 hatte. Es reicht also zumindest für meine Art zu fotografieren aus.

Haltbarkeit? Sie hat gehalten. Sie war viel Staub und auch Ruß ausgesetzt und hatte keine Probleme. Mit Wasser kam sie nicht in Kontakt und extreme Temperaturschwankungen musste sie auch nicht mitmachen.

Haptik. Sehr gut und das sage ich als traditioneller 1D-Serie Nutzer.

Bedienung? An und für sich wirklich durchdacht und einprägsam. Und durch die individuelle Tastenbelegung noch besser an das anzupassen, was man gewöhnt ist. Eines ist jedoch vollkommen unverständlich und wirklich schlecht gelöst und das ist die Positionierung des AF-Multicontrollers im Hochformat. Als wollte Canon nicht, dass man ihn verwendet. Sobald man die Kamera ins Hochformat schwenkt und den Autofokuspunkt verschieben möchte, landet man mit dem Daumen zwangsläufig irgendwo, nur nicht da, wo man hin will. Dann erinnert man sich daran, dass man den Daumen viel weiter nach unten schwenken muss und dann noch ein Stückchen. Dann hat man ihn und die Fotogelegenheit ist dahin. Nicht einmal die Tatsache, dass man den Controller erst mit dem Batteriegriff ansetzt, ist ein plausibler Grund für diesen ergonomisches Fehler, denn in annähernd derselben Distanz sowie in exakt demselben Winkel wie im Querformat wäre Platz gewesen.

Zum Filmen kann ich noch nichts sagen, da ich mit der Kamera noch nicht gefilmt habe.

Etwas Interessantes ist mir bei zunehmender Nutzung der R5 aufgefallen. Auch natürlich rein subjektiv, aber vielleicht hatte ja jemand schon einmal ein ähnliches Gefühl. Man drückt häufiger auf den Auslöser, weil sie so leise ist. Das Geratter der DSLR habe ich lange Zeit als beinahe sexy empfunden, aber seit ich die R5 mit ihren ebenfalls schnellen Bildfolgen und dem sanften Auslösegeräusch auch bei Benutzung des mechanischen Auslösers habe, zucke ich beim Wechsel auf die 1Dx MK III immer zusammen. Das Geratter löst bei den Tieren in Afrika zwar keinen Fluchtreflex aus, aber das Gefühl, ein diskreter Beobachter zu sein, ist auf jeden Fall dahin. Ich musste mich immer erst wieder daran gewöhnen. Und wenn man zumindest akustisch zurückhaltender ist, dann fotografiert man auch lieber und mehr. So erging es zumindest mir.

Nun aber genug des Geredes, ich zeige lieber noch ein paar Bilder mit ausführlichen technischen Angaben und hoffe, man kann die Begeisterung, die meinen Sohn und ich in der Masai Mara erfasst hat, verstehen.

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